Vorschlag für eine Andacht zum Sonntag Jubilate, 03.05.2020

Dieser Sonntag heißt „Jubilate“. Jubelsonntag. Wir freuen uns über das Gute, das schon da ist – sichtbar und unsichtbar.

Beginn: Kerze anzünden

Egal wo wir jetzt sind: Ob zuhause am Küchentisch oder im Büro vorm Computer, im Pflegeheim oder auf der Gartenbank. Genau in diesem Moment versammeln sich irgendwo auf der Welt, an den unterschiedlichsten Orten unzählige. Um Gott zu suchen und zu loben. Mit unseren unterschiedlichen Gefühlen. So, wie wir jetzt eben sind. Aber zur gleichen Zeit, unsichtbar verbunden.
Wir feiern in Gottes Namen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied

Nun jauchzt dem Herren, alle Welt - Evangelisches Gesangbuch 288,1+2+5-7
(Link zu MP3-Datei:
https://bit.ly/3bK6QU3https://bit.ly/3bK6QU3  )

 

1. Nun jauchzt dem Herren alle Welt!

Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt,

kommt mit Frohlocken, säumet nicht,

kommt vor sein heilig Angesicht.

 

2. Erkennt, dass Gott ist unser Herr,

der uns erschaffen ihm zur Ehr,

und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad

ein jeder Mensch sein Leben hat.

 

5. Dankt unserm Gott, lobsinget ihm,

rühmt seinen Namen mit lauter Stimm;

lobsingt und danket allesamt.

Gott loben, das ist unser Amt.

 

6. Er ist voll Güt und Freundlichkeit,

voll Lieb und Treu zu jeder Zeit.

Sein Gnad währt immer dort und hier

und seine Wahrheit für und für.

 

7. Gott Vater in dem höchsten Thron

und Jesus Christus, seinen Sohn,

den Tröster auch, den Heilgen Geist,

im Himmel und auf Erden preist.

 

Text: David Denicke nach Cornelius Becker (1646)

Melodie: Unbekannt (um 1358)

 

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten (eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)

Gott.

Ich bin hier.

Ich bete zu Dir.

Mit anderen, die zu Dir beten.

Genau jetzt.

Genau so.

Und ich bringe Dir alles, was ist.

 

Stille

 

Höre uns.

Sieh uns.

Amen.

Evangelium des Sonntages: Johannes 15,1-8

(Basisbibel)

Jesus sagte:

»Ich bin der wahre Weinstock. Mein Vater ist der Weinbauer. Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt. Und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt.

Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe. Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe auch ich mit euch verbunden.

Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen. Dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben. So könnt auch ihr keine Frucht tragen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.

Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird weggeworfen wie eine abgeschnittene Rebe und vertrocknet. Man sammelt das Abgeschnittene ein und wirft es ins Feuer, wo die Rebe verbrennt.

Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte im Innersten bewahrt, dann gilt: Was immer ihr wollt, darum bittet – und eure Bitte wird erfüllt werden.

Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar, dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist.«

Impuls zum Predigttext

Für mich ist im Predigttext das Entscheidende die Verbindung zwischen Weinstock und Rebe. Wir werden als Reben, also als die Frucht bezeichnet, Jesus als der Weinstock an dem die Frucht wächst („Ich bin der wahre Weinstock […] ihr seid die Reben“). Jesus hält die Reben zusammen, gibt Saft und Kraft. Alle Frucht, die wächst kommt durch ihn. Die Verbindung zwischen Rebe und Weinstock ist die elementare Lebensader. Es besteht also eine grundlegende Verbindung zwischen uns als Reben und Jesus als Weinstock. Er ist unsere Lebensader. Ich frage mich: Was ist mir Lebensader, woraus schöpfe ich Kraft? Und ich frage mich: Mit wem bin ich noch verbunden in meinem Leben? Welche sichtbaren und unsichtbaren Verbindungen gibt es? Welche tuen mit gut, sind mir Lebensader – und welche sind schlecht für mich?

Im Bild des Predigttextes kommt alles, was uns als Weinreben auszeichnet und besonders macht, vom Weinstock, also von Jesus (ist also letztlich Geschenk). Mich lässt das fragen: Was ist in meinem Leben wirklich mein Verdienst, wofür darf ich mir auf die Schulter klopfen – und was ist mir geschenkt? Was in meinem Leben hängt von Umständen ab, die ich nicht zu verantworten habe? Vermutlich ist das mehr, als uns manchmal bewusst ist…

In der engen Verbindung zwischen Weinstock und Rebe liegt für mich eine große Entlastung. Denn: Ich als Rebe kann von mir aus gar keine Frucht bringen, es ist Jesus der da in uns wirkt. Das entlastet. Wenn im Predigttext also die Forderung nach reicher Frucht anklingt, verlasse ich mich darauf, dass Jesus diese auch bewirkt und schenkt. Und ich bin überzeugt, dass Jesus einen ganz anderen Blick und andere Maßstäbe dafür hat, was reiche Frucht ist als wir. Er wirkt Frucht in unserem Leben und Segen durch uns, wo wir selbst das vielleicht gar nicht so sehen. Und: Es sind ja viele Reben an einem Weinstock. Manches, dass ich selbst nicht gut kann (wo mir scheinbar Frucht verwehrt ist), kann ich guten Gewissens ruhen lassen – denn da ist ja jemand anders, der/die das vielleicht gut und besser kann. Das ist absolut in Ordnung so – ein guter Wein lebt ja gerade von der Vielzahl und Komplexität der Aromen.

Zuletzt ist da der Weinbauer, der steht für Gott. Er hegt und pflegt seinen Weinberg. Hier im Predigttext schneidet er die Reben vom Stock, die keine Frucht bringen und verbrennt diese. Dieses Bild wirkt hart. Doch im Weinbau ist das ein gängiger Vorgang: Zur Auslese und Veredelung werden die Pflanzen von überflüssigem Holz und Nebentrieben befreit. Nur so können die Pflanzen ihr ganzes Potential entfalten und noch mehr und süßere Frucht bringen. Der Weinbauer handelt hier also voller Hingabe und Liebe zu seinen Pflanzen, er will das Beste für seine Reben. Das ist ein starkes Bild: Gott sieht das Potential und das Gute. Sein liebender Blick bringt manchmal auch Totholz (das es in unserem Leben ja unzweifelhaft gibt) zum Vorschein, aber er entfernt es, damit es uns als seinen Früchten gut geht. Er sieht dort Potential, wo wir keines vermuten würden. Hier klingt für mich das Ostergeschehen an: In Christus ist das Böse ist besiegt und ausgemerzt. Er besiegt das Böse, es hat keine Macht mehr über uns. Durch ihn sind wir schon rein, durch ihn bringen wir Frucht. Jubilate!

 

Fürbitten

Jesus.
Hier sind wir.
Du hast gesagt: Wir sind mit dir verbunden.
Wir sind erlöst.
Wir wollen das glauben.
Hilf uns dabei.

Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade?

Stille.

Wir denken an alle, die erschöpft sind – vom Arbeiten, vom Liebhaben, vom Es-richtig-Machen.

Stille.

Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Lagern, auf dem Meer.
An die, die versuchen, für sie zu sorgen.

Stille.

Und wir denken an die Liebe, das Leuchten. Die Herrlichkeit schon jetzt.

Stille

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

 

Lied: Komm, Herr, segne uns

 Evangelisches Gesangbuch 170,1-4
(Link zu MP3-Datei:
https://bit.ly/2VKNtoh )

1. Komm, Herr, segne uns, daß wir uns nicht trennen,
sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

2. Keiner kann allein Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

3. Frieden gabst du schon, Frieden muß noch werden,
wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, daß wir ihn tun, wo wir ihn erspähen -
die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

4. Komm, Herr, segne uns, daß wir uns nicht trennen,
sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Text und Melodie: Dieter Trautwein 1979

 

Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.

 

Und/Oder:

Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Sagen: Ich bin nicht allein. Danke.

 

Kerze löschen

 

Pfarrer Johannes Schüz, Evang. Kirchengemeinde Eschach.

Mit Ideen & Material von: Birgit Mattausch und Bettina Gilbert, Michaeliskloster Hildesheim