Impuls zum Sonntag Quasimodogeniti, 16.04.2020

Quasimodogeniti“ ist die lateinische Kurzform eines Verses aus dem 1.Petrusbrief: „Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil“. An diesem ersten Sonntag nach Ostern soll es darum gehen, die Osterbotschaft „begierig wie die neugeborenen Kindlein“ aufzusaugen und daraus Kraft und Freude für unser Leben zu gewinnen.

 

Kurzvideo zum Predigttext

Hier geht es zu einem Kurzen Impuls zum Preidigttext (Youtube)

Wochenspruch

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." | 1. Petr 1,3

Wochenlied EG 108: Mit Freuden zart

1.) Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen. Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.

2.) Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen, auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3.) Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten: so wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ewgen Freude geleiten.

Predigttext Jesaja 40, 26-31

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;

31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Liebe Gemeinde,

Ostern liegt hinter uns - und schon wieder stecken wir mitten drin im Alltag.

Ein Alltag, der im Moment bei den Meisten von uns in irgendeiner Weise noch immer durch diese Krise bestimmt ist. Es gibt ja in den Nachrichten gerade quasi kein anderes Thema.

Und ich habe mich gefragt: Wie geht das zusammen?

Auf der einen Seite die uns versprochene Osterfreude:

„Der Herr ist auferstanden! Der Tod hat keine Macht mehr! Habt keine Angst und fürchtet euch nicht!"

Und auf der anderen Seite dann aber das, was um uns herum tobt:

Die Pandemie, immer noch infizieren sich und sterben Menschen. Kurzarbeit und Jobverlust drohen. Unsicherheit und Angst regieren.

Die Osterbotschaft scheint irgendwie weit weg zu sein in all dem.

Die Osterbotschaft auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber das erlebte Gegenteil. Wie passt das zusammen?

Und wie kann es gelingen, diese uns versprochene Osterfreude zu finden und aus dieser Kraft zu leben, die uns Ostern verspricht?

Hinter dem Predigttext für den heutigen Sonntag aus dem Jesajabuch steckt eine ganz ähnliche Erfahrung. Der Text ist auch in einer Krisenzeit entstanden.

Da klagt eine oder einer an:

„Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber! (V. 27)

Das ist die Erfahrung, dass Gott weit weg ist. Wo ist Gott in der Pandemie, in dem Leid das gerade passiert? Wo ist die Osterfreude? -> Mein Weg ist dem HERRN verborgen!


Und dann versucht der Predigttext eine Antwort. Da heißt es:

Hebt eure Augen in die Höhe und seht!

Wer hat all dies geschaffen? (V. 26)

Hebt eure Augen! Wenn ich meinen Blick in die Höhe hebe, dann wende ich mich zwangsweise ab, von dem was mir gerade vor Augen ist.

Ich wende mich ab von dem was mich umgibt, von dem was mir vielleicht Angst macht.

Bei mir selbst habe ich in der letzten Zeit bemerkt, wie mich das irgendwann verrückt macht, wenn all die Newsticker und schlechten Nachrichten pausenlos auf einen einprasseln.

Und dann hilft es, bewusst den Blick zu heben, und sich z.B. eine Corona-freie-Zeit zu verordnen. Die Sinne auf etwas Anderes zu lenken. Ganz konkret indem ich z.B. schönen Film anschaue, einen Spaziergang mache (…).


Wenn ich den Blick hebe, dann wende ich mich zum einen ab von dem, was mir vor Augen ist und gleichzeitig wende ich mich dem Himmel zu. Der Blick geht in die Höhe, also in den Sternenhimmel, in die Schöpfung. Dort, so der Predigttext, findet sich Gott: „Wer hat all dies geschaffen?“ (V. 26)

Und viele Menschen erleben genau das, dass sie in der Natur, in der Schöpfung Gottes Nähe entdecken. Und erleben, dass Gott nahe ist. Mir geht das z.B. in der Astronomie so, dass ich da ins Staunen komme und Gott spüre. Wenn Gott den Sternen, der ganzen Schöpfung ihre Bahn setzt - um wieviel mehr kann er meine Geschichte lenken?

Zuletzt richtet der Predigttext den Blick dann auf andere Menschen. Da heißt es:

Er [Gott] gibt dem Müden Kraft und Stärke.

Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (V.29+31)

Der Blick geht hier auf die Müden, denen Gott neue Kraft schenkt. Auf Menschen, denen es gelingt neue Lebensfreude und Lebenskraft finden.

Mir kommt da eine Frau in den Sinn, die ich kennenlernen durfte.


Johanna hieß sie. Sie lebte in einem kleinen Dorf am Fuß der schwäbischen Alb. Diese Frau war besonders, weil sie sehr alt wurde. Sie starb mit 104 und war entsprechend ein lebendiges Geschichtsbuch. So erinnerte sie sich z.B. an den Ausbruch des 1. Weltkrieges. Und diese Johanna hat in ihrem langen Leben viele Krisen durchlebt: Im 2. Weltkrieg verlor sie zwei ihrer Brüder. Sie hatte keinen Mann und keine Kinder - hätte das aber gerne gehabt. Und sie durchlitt und überlebte mehrere schwere Krankheiten.

Wenn sie aus ihrem Leben erzählte, waren da immer Tränen und Schmerz. Aber sie war eben auch voller Gottvertrauen und Lebensfreude. Ihr Lebensmotto war ihr Konfirmationsvers. Es war der Vers aus dem Predigttext:

Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. (V. 31)

Genau das hat sie in ihrem langen Leben nämlich erlebt. Dass es im Leben durchaus Krisenzeiten gibt, in denen man Gott nicht spürt und versteht. Das ist wahrscheinlich der Normalfall. Aber wenn man dann ausharrt und auf Gott vertraut, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass man ihn und seine Kraft auch wiederfindet.

Und ich habe an mir selbst gespürt, dass mir diese Frau mit ihrer Lebens- und Glaubenserfahrung gutgetan hat. Dass ich aus ihrem Lebenszeugnis für mich selbst Zuversicht und Freude schöpfen konnte.

Das zeigt mir, dass wenn ich für mich selbst Gott und seine Osterfreude gerade nicht finden kann, dann kann es mir guttun, mich an die zu halten, die für sich gerade fest im Glauben stehen. Und mich mit Menschen zu umgeben, die mir guttun.

Sind wir in diesen Zeiten in diesem Sinne füreinander da! Und nehmen einander in Anspruch. Amen.

Gebet

Du Auferstandener,
Christus,
unsichtbar in unserer Mitte.
Zu dir beten wir.

Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben,
wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben,
wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft,
in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.

Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft.
Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir
für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.

Amen.

 

Pfarrer Johannes Schüz, Evang. Kirchengemeinde Ravensburg-Eschach