Impuls zum Sonntag Rogate, 17.05.2020

Dieser Sonntag heißt Rogate. Das bedeutet: Beten. Heute ist also Bet-Sonntag. Und vielleicht ist schon unser Atmen ein Beten. Dieses Ein und Aus. Das Geräusch, das es macht, klingt jedenfalls ein bisschen wie Gottes unaussprechlicher Name: J-H-W-H

In seinem Namen feiern wir diese kurze Andacht.

 

Gebet zum Eingang

Gott.

Ich bin hier.
Ich bete zu Dir.
Ich vertraue mich Dir an.
Und ich bringe Dir alles, was ist.

(Stille)

Höre uns. Sieh uns.
Amen.

 

© Pixabay

1. Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten

und in Ehrfurcht vor ihn treten.

Gott ist in der Mitte.

Alles in uns schweige

und sich innigst vor ihm beuge.

Wer ihn kennt,

wer ihn nennt,

schlag die Augen nieder;

kommt, ergebt euch wieder.

5. Luft, die alles füllet,

drin wir immer schweben,

aller Dinge Grund und Leben,

Meer ohn Grund und Ende,

Wunder aller Wunder:

ich senk mich in dich hinunter.

Ich in dir,

du in mir,

lass mich ganz verschwinden,

dich nur sehn und finden.

8. Herr, komm in mir wohnen,

lass mein’ Geist auf Erden

dir ein Heiligtum noch werden;

komm, du nahes Wesen,

dich in mir verkläre,

dass ich dich stets lieb und ehre.

Wo ich geh,

sitz und steh,

lass mich dich erblicken

und vor dir mich bücken.

 

Text: Gerhard Tersteegen (vor 1727) 1729
Melodie: Wunderbarer König (Nr. 327)

 

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

11 Unser tägliches Brot gib uns heute.

12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

 

Liebe Gemeinde,

im heutigen Predigttext geht’s ums Beten. Wie bete ich richtig?

Ein Satz im Predigttext hat mich nicht mehr losgelassen:

Wenn du aber betest,

so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu.

Dieses Kämmerlein.

Ich weiß nicht, wie in ihrem Kämmerlein aussieht,

aber in meinem Kämmerlein kann es durchaus vorkommen,

dass da eine gewisse Unordnung herrscht.

Ich habe z.B. die Gabe, dass ich meine Kleider gerne einfach so über die Stuhllehne werfe.

Oder dass sich auf dem Schreibtisch in meinem Kämmerlein schon manchmal ein illustres Sammelsurium an Dingen ansammelt, die da nur bedingt hingehören.

Ich räume die zwar alle paar Wochen weg -

aber dann sammeln sich auf wunderbare Weise doch wieder Sachen an.

- keine Ahnung, wie das passiert.

Da ist das Handy,

Kulis, ein USB-Stick.

Eine Schere, ein paar Fotos.

Ein paar Unterlagen für die Steuererklärung.

Und jede Menge Bücher.

 

Manchmal wünsche ich mir,

ich könnte mein Kämmerlein besser in Ordnung halten.

Ich bewundere Menschen,

die das schaffen, ihr Kämmerlein in Schuss zu halten.

Die für alles einen aufgeräumten Platz haben.

Die Papiere fein säuberlich in Ordnern,

Schreibwaren in Körbchen.

Der Tisch krümellos und frei,

und darauf ein schöner Strauß Tulpen in einer passenden Vase.

- ich bewundere das, gerne wäre ich auch so.

 

Und ich weiß auch, dass das manchen in Bezug auf ihr Gebetsleben gelingt.

dass manche so ein aufgeräumtes und gut strukturiertes Gebetsleben haben.

Dass eine Stille Zeit mit Gott einen festen Platz im Tagesablauf hat.

Und einen ordentlichen Ablauf.

Zwischen Zähneputzen und Kaffeekochen z.B..

Beten.

Einen Text aus der Bibel lesen oder die Losung.

Darüber nachdenken.

Beten.

So Zehn, fünfzehn Minuten.

Es klingt eigentlich so einfach. Und ist für mich doch so schwer.

 

Ich habe das immer wieder probiert, es auch so zu machen

Und eine solche Zeit in meinen Tagesablauf zu integrieren.

Als Jugendlicher, im Studium, auch später.

Zeitweise ist es mir auch gelungen, eine feste Zeit am Tag für das Gebet zu haben.

Das war gut.

Und trotzdem ist mir da immer wieder Unordnung reingekommen.

Ein anderer Termin. Die Zeit vergessen.

Oder ich bleibe lieber noch ein bisschen im Bett liegen.

Ich kriege das nicht so gut hin

mit dem Kämmerlein zum Beten bei mir zuhause.

 

Wenn du aber betest,

so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu

und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.

 

Ich kriege das nicht so gut hin

mit dem Kämmerlein bei mir zuhause.

Aber ich habe andere Orte gefunden,

wo ich gut beten kann.

Kämmerlein in meinem Alltag.

Wenn ich auf dem Fahrrad sitze und zu einem Termin in die Gemeinde fahre,

oder zu einer Besprechung, dann bete ich manchmal:

„Gott, gib mir einen klaren Kopf

und ein offenes Herz für das, was mich erwartet.“

Und auf der Heimfahrt:

„Gott, danke für die Begegnung mit Frau Soundso

oder Herrn X. Das hat mir gutgetan. Beschütze sie,

sei bei ihm, gib, was er braucht.“

Ein kurzes Gebet, frei raus, das was mich gerade beschäftigt.

 

Ein anderes Kämmerlein finde ich oft,

wenn ich laufen gehe.

Wenn ich durch die Apfelplantagen laufe,

danke ich Gott für meine Füße, die mich tragen,

und für alles, was wächst.

Und ich bitte ihn um Regen für die Natur.

Wenn ich durch Wohngebiete laufe,

bitte ich Gott für die Menschen,

die hinter den Fenstern sind.

Und danke für unsichtbare Gemeinschaft.

 

Und ich bin Jesus so dankbar für seine klare Ansage im Predigttext,

dass wir eigentlich gar nicht viele Worte zu machen brauchen.

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft,

bevor ihr ihn bittet.

Und weiter:

Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist;

und dein Vater, der in das Verborgene sieht,

wird dir's vergelten.

Daran glaube ich:

Gott sieht in das Verborgene.

Er sieht all das, was meine Augen nicht sehen.

Er sieht in die Kämmerlein,

in denen die Menschen in den letzten Wochen

so viel Zeit verbracht haben.

In die Autos, auf die Spazierwege, in die Häuser.

Aufgeräumte Wohnzimmer,

ungemachte Betten,

liegengebliebenes Spielzeug –

nichts davon bleibt Gott verborgen.

Gott sieht die Falten in unseren Gesichtern

und das, was sich dahinter verbirgt.

Er sieht unsere Herzenskämmerlein und was darin ist.

Die Zufriedenheit, das Gute im Leben.

Aber auch die Sorgen und die Erschöpfung.

Die Gedanken, die immer wiederkehren.

Und die Fragen, die keine Antwort finden.

 

Und Gott weiß, was wir brauchen.

Deshalb gibt er uns jeden Tag Kämmerlein,

in denen wir beten können,

mit wenigen Worten.

 

Und weil Gott weiß,

dass wir manchmal nicht einmal die finden,

hat er uns dieses besonderes Gebet gegeben, das Vaterunser.

Worte, einfach und klar.

Egal, wie es gerade bei Ihnen und in Ihnen aussieht,

was da unaufgeräumt rumliegt.

Wir werden die Worte gleich gemeinsam beten.

Und unser Vater, der ins Verborgene sieht,

wird’s uns vergelten.

Amen.

 

Lied

EG 369,7 Sing, bet und geh auf Gottes Wegen

 

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,

    verricht das Deine nur getreu

    und trau des Himmels reichem Segen,

    so wird er bei dir werden neu;

    denn welcher seine Zuversicht

    auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Dank- und Fürbittengebt

Jesus.

Hier sind wir.

Du hast gesagt: Wir sollen beten.

Du hast gesagt: wir werden gehört.

Wir wollen das glauben.

Hilf uns dabei.

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade?

Stille

Wir denken an alle, die nach einem Impfstoff suchen, einem Medikament.

Stille

Wir denken an die, die Entscheidungen treffen müssen für andere.

Stille

Wir denken an die, die Angst haben und wütend sind.

Stille

Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Lagern, auf dem Meer.

An die, die versuchen, für sie zu Sorgen.

 

Und wir beten, wie du, Jesus, es uns gezeigt hast:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segenswort

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.

 

Und/Oder:

Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Sagen: Ich bin nicht allein. Danke.

 

Pfarrer Johannes Schüz

mit Material aus dem Michaeliskloster Hildesheim