Besinnung zum Sonntag Judika, 29. März 2020

Lied

„Gott hat das erste Wort“ (EG 199)

1.   Gott hat das erste Wort. Es schuf aus Nichts die Welten
und wird allmächtig gelten und gehn von Ort zu Ort.

2.   Gott hat das erste Wort. Eh wir zum Leben kamen,
rief er uns schon mit Namen und ruft uns fort und fort.

3.   Gott hat das letzte Wort, das Wort in dem Gerichte
am Ziel der Weltgeschichte, dann an der Zeiten Bord.

4. Gott hat das letzte Wort. Er wird es neu uns sagen dereinst
nach diesen Tagen im ewgen Lichte dort.

5. Gott steht am Anbeginn und er wird alles enden.
In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn.

 

Leben in Einschränkung oder Beschränkung?
Es bleiben mir Worte!


Es kommt auf die eigene Einstellung an, ob ich mich einschränke oder mich beschränken lassen muss. So spiele ich bei vielem eine entscheidende Rolle. Bleibe ich der aktiv oder werde ich passiv in dieser Krise?

Reduziert in meinen Kontakten – allein, isoliert und vergessen? Kontakte in der direkten, körperlichen Begegnung sind nicht möglich und gefährlich wären; aber es gab schon immer auch andere Kontakte: Briefe schreiben, an einander denken, für einander beten (vielleicht ja gerade in gemeinsamen Gebetszeiten um 19.30 Uhr, wenn an vielen Orten die Glocken dazu einladen).

Aber auch telefonieren kann Kontakte schaffen und erhalten. Warum nicht mal gemütlich mit jemandem Kaffee trinken via Telefon – beide kochen Kaffee/Tee, dann machen wir es uns bequem und sind telefonisch verbunden. So können wir die Zeit nutzen zur tieferen Begegnung und intensiverem Zuhören als sonst oft in direkter flüchtiger Begegnung.

Aber - dann haben wir nur das Wort ( – und beim Telefon den Klang der Stimme). Aber leben wir als Christen nicht seit Jahrtausenden aus dem Wort? Bibelworte, die sich über Jahrhunderte überliefert und Menschen getragen haben. Bibelworte die nicht schnell verklingen, sondern sich erst entfalten, wenn Sie oft und lange bedacht und nachgesprochen werden; Bibelworte, die mein Denken verändern können, weil sie nicht so schnell flüchtig sind, überlagert von anderen Wahrnehmungen, von nachfolgenden Worten, von Banalitäten weiterer Begegnungen.

Worte werden uns geschenkt und wir dürfen Worte verschenken. Bibelworte als Lebensbegleitung, als Taufspruch und Konfirmationsspruch, als Trauspruch und als Bestattungstext liebgewonnener Menschen. Welches Wort will ich Menschen schenken – meinen Kindern, meinen Enkeln, meiner Freundin, meiner Mutter oder meinem Opa. Worte, die nicht schnell verhallen, sondern einen Menschen tragen und ermutigen, ihm Nähe schenken mitten in räumlicher Ferne.

Können wir Worte wieder neu entdecken?

Flüchtige Worte
Bewahrende Worte
Bedachte Worte
Klärende Worte,
vernichtende Worte
verändernde Worte,
vergessene Worte,
herausrufende Worte,
in Stein gemeißelte Worte

Und sie einander schenken oder auch einmal zu schnell gesprochene, verletzende Worte zurücknehmen?

Und wie ist es mit dem einen Wort, dem Leben schaffenden Wort Gottes, das tröstet und befreit, das Grenzen überwinden lässt und Brücken bauen, das Menschen im Leben und im Sterben getragen hat? Kann es jetzt neu entdeckt werden? Vielleicht beginnend mit der Tageslosung oder dem Wochenspruch. Zeit allein? Zeit in Einsamkeit? Zeit mit einem Wort, Zeit für ein Wort?

Der Wochenspruch für die vor uns liegende Woche lautet: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20,28)

 

Gebet


Herr, mir fehlen Worte,
Worte, die mich erreichen,
die mich wertschätzen und mir die Einsamkeit dieser Tage nehmen,

Worte, die meinen Alltag erträglich machen, mich ermutigen und mich bewegen.

Aber mir fehlen auch Worte, die ich anderen schenken kann,
ein „Danke“, ein „Guten Morgen“, ein „Auf Wiedersehen“.
Mir fehlen dabei Gesten und ein liebgewordener Handschlag,
eine Umarmung und eine Berührung.

Schenke uns, Gott, berührende Worte füreinander,
Worte des Nachfragens und der Ermutigung,
der Versöhnung und der Zuwendung.

Schenke uns Dein Wort, dass es uns trägt in der Krise,
in der Einsamkeit, in der Todesangst,
uns zu hörenden macht und uns ermutigt.

Schenke Dein Wort den Verzweifelten, denen in Angst,
den von den Angehörigen Abgeschnittenen,
den Isolierten zuhause und in den Intensivstationen.

Lass Dein Wort wieder bei uns wohnen! Amen.

Lied

„Es ist ein Wort ergangen“

Es ist ein Wort ergangen, das geht nun fort und fort,
das stillt der Welt Verlangen wie sonst kein ander Wort.

Das Wort hat Gott gesprochen, hinein in diese Zeit.
Es ist hereingebrochen im Wort die Ewigkeit.

Erhalt das Wort in Gnaden, gib, Gott, ihm freien Lauf.
Du Wort von Gott beladen, spreng Tür und Riegel auf.
(Arno Pötsch)

 

Mein Angebot in diesen Tagen

Lassen Sie uns telefonieren! Sie besuchen darf ich nicht, mit Ihnen Gottesdienst feiern darf ich nicht, bei einer zufälligen Begegnung stehen bleiben und Reden darf ich nicht, aber wir dürfen telefonieren. Leider habe ich von vielen von Ihnen keine Telefonnummer,

 aber Sie haben jetzt meine: 0177 5903788.

Ich rufe auch gerne zurück, wenn Sie vom Festnetz aus anrufen und wenn Sie keine Flatrate haben (kostenloses Telefonieren durch einen höheren Monatsbeitrag).

 

Ihr Pfarrer Eberhard Seyboldt