3x Trost – Gedanken zum Sonntag Lätare 22.3.2020

Liebe Gemeindeglieder,

täglich, nein stündlich, ja beinahe schon minütlich erreichen uns mittlerweile neue Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Bisher kaum gebremst breitet sie sich in Europa und der Welt aus. Was noch genau auf uns zukommt – medizinisch, politisch, wirtschaftlich –, das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

 

Befremdlich klingt da das Bibelwort, das an diesem Sonntag eigentlich landesweit im Mittelpunkt von Predigten gestanden hätte: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13). 

So schwer es auch ist – ich möchte diesen Satz erstnehmen und Ihnen auf diesem Wege dazu ein paar Gedanken mitteilen. Es geht dreimal um den Trost.

 

1) Gott, der Tröster

Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Was für eine Zusprache! Häufig vergessen wir, dass es globale Krisen nicht erst in unserer Zeit gab. Gigantischen Unsicherheiten wie Seuchen musste die Menschheit zu allen Zeiten ins Auge blicken. Und da ist die Erfahrung des Alten Testaments ungemein tröstend, dass Gott selbst in schlimmen Zeiten die Zügel irgendwie in der Hand hat. Im Letzten ist und bleibt er der Herr der Geschichte. Dieser Glaubensgrundsatz macht das Alte Testament und mit ihm die ganze Bibel zu einem Buch des Trostes. Dieses Buch handelt von einem Gott, der gerade nach Zeiten des Leids – aber auch ihnen selbst – mit seinem Trost erkennbar und spürbar für uns da ist. So ist der Vergleich gemeint zwischen Gott und der Mutter, die trösten kann wie niemand sonst und die das Schluchzen ihres Kindes nach und nach zum Ende bringt.

 

2) Trösten konkret: aufatmen lassen

Die Sprache des Alten Testaments ist in vielem sehr viel konkreter als das Deutsche. Jemanden trösten heißt im Alten Testament wörtlich, ihn aufatmen zu lassen.

Ich bin sicher, irgendwann wird Gott uns aufatmen lassen! Irgendwann wird in Europa und in der Welt unser aller Atem wieder flacher und ruhiger gehen.

Und lassen Sie uns beten, dass Gott die, die es ganz schlimm getroffen hat und treffen wird – die Menschen an den Beatmungsgeräten – irgendwann trösten, also aufatmen lassen wird. Um seines Namens willen mögen es möglichst viele sein!

 

3) Der untrennbare Zusammenhang von Trost und Trotz

Jede(r) Getröstete kennt auch den Trotz. Ja, Trost und Trotz liegen ganz eng beieinander.

Schauen Sie in die Nachrichten, schauen Sie in Ihr Umfeld: Unheimlich viele Beispiele, auf allen Ebenen, von der Kraft des Trotzes. Familien, Kommunen, Nationen, die sich alle mit Kräften – und erstaunlich gut – neu sortieren! Auch die politischen und wirtschaftlichen Eliten, denen wir Vertrauen schulden, trotzen der Situation, so gut es geht. Die Wissenschaft wiederum arbeitet mit Hochdruck.

Richten wir an Gott unsere Bitte, dass die (Welt-)Gesellschaft gestärkt aus diesem denkwürdigen Jahr 2020 hervorgehen wird!

 

Mit den besten Segenswünschen,

 

Ihr Julius Trugenberger

Vikar der Johanneskirche