2. Sonntag n. Trinitatis

Gottesdienst in RV mit Diapason Matthäus 11,25-39

GEBET

In der Frühe suchen wir dich,

herrlicher und heiliger Gott,

Licht, ewiger Glanz, schaffende Kraft,

und danken dir für deinen Tag.

Du schaffst Licht in der Finsternis,

Freude in den Traurigen,

Trost in den Schwermütigen,

Klarheit in den Verwirrten,

Leben in den Schwachen.

Schaffe Licht auch in uns in der Frühe deines Tages.

 

Dein Wort ist das Licht Rede zu uns.

Deine Wahrheit ist das Leben.

Schaffe Leben in uns,

Wir bitten dich um Licht für alle Menschen,

die Guten und die Bösen,

um Frieden bitten wir dich für eine friedlose Welt,

um Erbarmen für eine Welt des Hasses

und der Armut des Herzens.

Herr unser Gott,

sei du uns nahe, damit wir dir nahe sind.

(Jörg Zink)

 

PREDIGT

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. … Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Mt 11, 25.28-29)


Erfahrungen berühren uns. Doch wie können wir sie verstehen und wie reagieren wir darauf? Jesu Aufforderung „lernet von mir!“ zeigt einen Weg, der uns zum Erkennen und zu angemessener Antwort helfen kann. Eine schmerzliche Erfahrung geht unserem Abschnitt voraus. Jesu Wort findet kein Gehör. Sein Ruf verhallt.  Vor diesem Hintergrund berichtet Matthäus: Zu der Zeit, fing Jesus an und antwortete, wie es wörtlich heißt. Wir werden also Zeuge, wie Jesus mit dieser vom Misserfolg geprägten Situation umgeht und darauf antwortet.


Was läge jetzt näher als Frust und Resignation? Doch Jesus beginnt, Gott zu loben. Aber damit verdrängt er das Scheitern nicht. Er überspielt nicht den Schmerz, verkannt und abgelehnt zu werden. Wie lässt sich das verstehen? Hier zeigt sich ein geistliches Geheimnis. Es wird möglich, weil Jesus dieses Scheitern nicht isoliert betrachtet und nicht an seinem Wirken festmacht. Er erkennt darin Gottes Handeln, sieht darin ihn am Werk.

Damit nimmt sich Jesus mit seiner Person, mit seinem Willen und Urteil ganz zurück. Er stellt sich hinein in den großen Heilsplan Gottes. Was ihm widerfährt lässt er sich gefallen und nimmt auch die enttäuschenden Erfahrungen aus des Vaters Hand. Wenn Gott Herr allen Geschehens ist, dann ist es er selbst, der den Klugen und Weisen die Einsicht verstellt und den Unmündigen eröffnet. So hat es ihm Wohlgefallen.
Aber regt sich da nicht Widerspruch? Sollte Gott Bildung und Gelehrsamkeit ablehnen? Und ist Gottes Handeln nicht willkürlich, ja ungerecht, wenn er den einen verwehrt, was er den andern gewährt?
Sollte es wirklich göttliche Willkür sein? Stehen wir uns nicht vielmehr selbst im Wege, wo wir auf uns und unsere begrenzte Einsicht vertrauen und sie zum Maßstab nehmen? Laufen wir nicht selbst Gefahr, uns zu übernehmen, wenn wir meinen, wir könnten Gott mit unserer Klugheit fassen, als hätten wir Einsicht in den Lauf der Dinge, als könnten wir aus uns Ereignisse und Erfahrungen definitiv deuten? Den Unmündigen wird es geschenkt, denen, die am Munde Gottes hängen, von dem alle Weisheit und Erkenntnis kommt.
Eine solche Haltung erkennen wir an Jesus. Er sieht alles von Gottes Herrschaft her, lässt sich gefallen, was ihm vom Vater widerfährt. Darin erweist sich seine Demut. Und seine Sanftmut zeigt sich in der Antwort auf die ablehnende Erfahrung. Es ist eine Einladung. Sie schließt keinen aus. Ja, sie gilt besonders all denen, die unter dem Zwang stehen, selbst für das Gelingen ihres Lebens sorgen zu müssen. Denen, die unter Druck und in Spannung leben, alles im Blick und alles im Griff haben zu müssen. Solchen, die mit Anstrengung und Mühe ihr Glück erzwingen wollen und dabei sind, sich mit all dem zu übernehmen. Gehören wir nicht zuweilen auch zu ihnen?


Mit seiner Antwort weist uns Jesus an den, der alles lenken und schenken kann – und will. Im Vertrauen auf ihn, werden uns die Lasten abgenommen. Es hängt nicht länger alles an uns. So finden wir Ruhe für Leib und Seele und können auch da, wo alles anders kommt, Gott loben. AMEN

 

FÜRBITTGEBET

Gott, Ursprung und Ziel der Welt,
du lädst uns ein,
das Leben zu feiern.
Du zeigst uns die Schönheit
deiner Gerechtigkeit
und gibst uns einen Geschmack
von deinem Frieden.
Wir möchten uns hinein nehmen lassen
in die Atmosphäre deiner Freundlichkeit,
aber wir stehen uns dabei oft selbst im Weg.
Wir lassen uns die Zeit für dich rauben
durch Nichtigkeiten.
Wir können uns nicht lösen
von den Zwängen,
unter die uns andere setzen
und manchmal wir selbst,
Argwohn und Missgunst
verderben uns leicht die Freude
an deiner grenzenlosen Güte.
Gott, bewahre uns davor,
unser Leben zu vertun.
Komm uns entgegen
und erfrische uns
mit deiner Barmherzigkeit.

 

VATERUNSER

 

SEGEN

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;

der Herr erhebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir seinen Frieden.

AMEN

 

 

Dekan Dr. Friedrich Langsam