Gottesdienst am Sonntag Exaudi

Votum

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

 

LIED

„Lobe den Herren“ (EG 317, 1-3)


1.Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,

meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.

Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,

lasset den Lobgesang hören!


2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,

der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,

der dich erhält, wie es dir selber gefällt;

hast du nicht dieses verspüret?


3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,

der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.

In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott

über dir Flügel gebreitet!

 

PSALM 36 (EG 719)

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste. Wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. AMEN

 

GEBET

Gott im Himmel und auf Erden. Dein Licht erleuchtet uns und dein Wort will unser Herz verwandeln. So sende deinen Heiligen Geist, dass er uns leitet in unserm Tun. Sei du bei uns, damit wir bei dir sind in Christus, unserm Herrn, heute und alle Tage bis auf ewig.

Stilles Gebet

 

Lesung

Jeremia 31,31-34

 

Predigt

Man weiß nie, was kommt. Manchmal macht das richtig Angst. Wie geht es weiter?

Diese Frage stellen sich die Jünger, nach Himmelfahrt. Was heißt nach „Himmelfahrt“. Für die Jünger gab es ja diesen Namen und die damit verbundenden Gedanken und Überlegungen noch nicht. Für Sie war alles unmittelbares Erleben. Der auferstandene Jesus, dieses Wunder dem man begegnen konnte, Jesus nimmt Abschied von ihnen, er geht zu seinem Vater. Damit wird ein direkter Kontakt, nicht mehr möglich sein wie bisher.

Für uns ist Himmelfahrt, das Ende des österlichen Festkreis. Für die Jünger war es eine Katastrophe.

Nur wenn man das sieht, versteht man, was gemeint ist mit dem Warten, das dem Sonntag heute sein Gepräge gibt.

 

Doch die Jünger fragen sich: Was nun? Wie wird es mit uns weitergehen? Sie sind wie gelähmt. Was wird aus dem, was wir gemeinsam hier begonnen haben? Was wird aus unserer Gemeinschaft? Was wird aus unseren Begegnungen? Was wird aus dem Glauben, den wir gemeinsam gelebt haben?

Jesus nimmt seine Freunde ernst. Er hört ihre Worte. Er nimmt sie auf und er versucht, sie zu trösten. Er erklärt ihnen seinen Weg, soweit sie es in ihrer Aufregung begreifen können. Das Wichtigste ist zugleich das Schwerste. Ihnen begreiflich zu machen: Es ist gut, dass ich weggehe, auch wenn es euch jetzt sehr weh tut. Vertraut mir. Das, was wir miteinander erlebt haben, das bleibt. Doch der Abschied muss sein. Damit das, was dann anbricht, für immer sein kann.

 

Lange vor den Jüngern erleben Menschen, die zum Volk Gottes gehören, einen tiefen Einschnitt in ihr Leben. Die Katastrophe, das Unglück, das sie Propheten ihnen vorhergesagt hatte, ist eingetroffen und sie müssen erkennen, dass sie damals den Ernst der Lage nicht erkannt haben.

Ja, sie haben Schuld auf sich geladen. Ja, sie haben sich von Gott entfernt, nicht nach ihm gefragt. Sie haben ihre Heimat verloren. Sie müssen in Gefangenschaft leben. Wird es je eine Rückkehr geben? Hier in der Fremde fühlen sie keine Verbindung mehr zu ihm. Hat Gott sie vergessen? Hat er seinen Bund aufgekündigt, den er einst mit ihren Vorfahren, mit Noah, mit Abraham, mit Mose geschlossen hat? Er wollte ihr Gott sein und sie sein Volk. Sie gehörten doch zusammen. Schon immer.

Hat er sie vollkommen aus dem Blick verloren?

Zutiefst geknickt beklagen die Menschen ihr Los. Gott hört zu. Ja, sie haben seinen Bund gebrochen, keine Frage. Sie sind taub gewesen und uneinsichtig gegenüber seinem Wort, das er durch die Propheten zu ihnen geredet hatte. Sie haben ihren Teil des Bundes nicht erfüllt, ihre Verpflichtung nicht eingehalten, den Willen Gottes zu tun. Wollten oder konnten sie es nicht? Am Ende spielt es keine Rolle mehr. Wir haben es in der Lesung gehört.

 

Gott will diesen Bund nicht aufkündigen. Ich stelle mir vor, dass Gott in seinem Herzen überlegt: Wie kann diese Verbindung zwischen mir und meinem Volk halten? Wie kann ich verhindern, dass sie wieder und wieder den Bund brechen? Keine Abschiede mehr, keine Distanz. Gott fasst einen Plan: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen! … Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein … sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der HERR“ (Jer 31,31ff ).

Wie vorher die Schuld eingraviert war in ihren Herzen, so ist jetzt die Weisung Gottes eingraviert. Ein Herz, das erkennt, das ist ein Geschenk Gottes.

 

Eines Tages, die Zeit kommt.

Für uns als christliche Gemeinde ist dieser neue Bund schon angebrochen.

Als Gott selbst Mensch wurde in Jesus Christus hat er eine Verbindung zu uns geschaffen, die niemals aufhört.

Dafür ist Jesus Christus gestorben und auferstanden, dass nichts mehr zwischen uns steht. Dass wir mit Gott verbunden bleiben.

 

Liebe Gemeinde,

in dieser Woche habe ich als Jugendpfarrer mit den Jugendreferenten geplant und überlegt, wie und ob in diesem Herbst die Konfirmandencamps, also die drei Bezirksfreizeiten für Konfirmanden werden stattfinden können. Wir hoffen es sehr.

Ein fester Bestandteil von so einem Camp ist der sogenannte Ostergarten. Eine Ausstellung, die mit viel Liebe zum Detail in sieben Räumen die Geschehnisse rund um Kreuzigung und Auferstehung erzählen und versuchen sie mit dem Leben und der Erfahrung der Konfis zu verbinden. Die Teilnehmenden werden in kleinen Gruppen durch die Räume geführt und meine Aufgabe als Jugendpfarrer ist es in einem Raum zu warten und eine kleine Abendmahlsliturgie mit den Gruppen zu feiern.

Und einer der eindrücklichsten Momente daran ist für mich, die Verbindung von Verrat und Versöhnung, die unmittelbar spürbar wird. Judas der mit am Tisch sitzt, wenn Jesus sagt, das dieser Kelch der neue Bund ist. Eben jener Bund, von dem Jeremia spricht.

Judas, der ausdrücklich mit dazu gehört, eingeschlossen wird in diese Verbindung.

Genauso wie Petrus, der sich noch so sicher ist, dass er treu an Jesu Seite stehen wird - für immer und der schon bald sein Scheitern erfährt, wenn er Jesus verleugnet.

Auch Petrus, der das Scheitern schon in sich trägt, ist eingeschlossen, wenn Jesus vom Bund spricht.

Diese Gnade und Großzügigkeit werden so richtig bewusst, wenn man in einem Raum das Abendmahl erlebt und in den nächsten Räumen über Jesus in Gethsemane und dann sogar auf Golgatha nachdenkt.

Kontexte, Zusammenhänge sind das was den Sinn in vollem Maß überhaupt erst entfalten.

Hier hat der Sonntag Exaudi in zweifacher Weise seine Funktion. Zum einen stellt er eine Verbindung zwischen dem Geschehen um Himmelfahrt und der Ausgießung des Heiligen Geistes dar, über die nächste Woche zu sprechen sein wird.

Zum andern stellt er uns selbst in den Verbund aller Menschen hinein, die in Verbindung mit Gott stehen.

Gottes Zusage, die in der Einsetzung des Abendmahls gegeben wurde, gilt für uns in gleicher Weise, wie sie für die Jünger gilt.

Darauf verlasse ich mich und deshalb kann ich getrost sein, auch in unsicheren Zeiten.

Amen

 

LIED

„Atme in uns“ (NL 105, 1-3)

 

Atme in uns, Heiliger Geist
Brenne in uns, Heiliger Geist
Wirke in uns, Heiliger Geist
Atem Gottes komm!

1. Komm du Geist, durchdringe uns
Komm du Geist, kehr bei uns ein
Komm du Geist, belebe uns
Wir ersehnen dich

[Refrain] Atme in uns, Heiliger Geist …

2. Komm du Geist der Heiligkeit
Komm du Geist der Wahrheit
Komm du Geist der Liebe
Wir ersehnen dich

[Refrain] Atme in uns, Heiliger Geist …

3. Komm du Geist, mach du uns eins
Komm du Geist erfülle uns
Komm du Geist und schaff uns neu
Wir ersehnen dich

 

Gebet

Du zeigst uns den Himmel,

Christus, du Auferstandener.
Du bist unser Himmel.

Komm mit dem Himmel zu uns.
Wohne in unseren Herzen,
damit deine Liebe uns verwandelt,
damit wir eins sind,
damit wir einander vertrauen,
damit wir einander vergeben,
damit wir einander helfen.

Komm mit dem Himmel zu den Schwachen.
Lebe mit ihnen,
damit ihnen neue Kräfte wachsen.

Komm mit dem Himmel zu den Kranken.
Heile sie,
damit sie aufatmen und wir einander wieder berühren.

Komm mit dem Himmel zu den Mächtigen.
Leite sie,
damit sie dem Frieden dienen
und der Gerechtigkeit aufhelfen.

Komm mit dem Himmel zu unseren Kindern.
Begeistere sie,
damit sie lernen, das Gute zu tun.

Christus, du Auferstandener,
der Himmel ist in uns.
Du bist unser Himmel,
heute und alle Tage.

Vater Unser

 

Lied

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (EG 503, 1.2.9.13)

1.   Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

 

2.   Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis
Seide.

 

9.   Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du’s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden, und güldnen Schlosse werden!

 

13.   Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

 

SEGEN

 

Philipp Jägle, Pfarrer
Evang. Stadtkirchengemeinde Ravensburg