Gottesdienst zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020


Wochenspruch

 

Ist jemand in Christus, ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden (2. Korinther 5,17)

 

Lied

Du hast uns Herr gerufen (EG 168,1-3)
1. Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier.
Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier.
Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.
Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

2. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.
Du legst uns deine Worte und deine Taten vor.
Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.
Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

3. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist.
Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist,
der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt,
der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

 

Psalm 66, 1-9

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immer dar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 

Predigt

Jubilate - Jubelt! so fordert uns heute der Sonntag auf.

 

Jubeln in Zeiten der Pandemie? Was heißt eigentlich Jubeln?

Schaut man ins Wörterbuch begegnen einem Worte wie Jauchzen, schreien, frohlocken.

Wer jubelt, der freut sich dermaßen, dass die Gefühle aus ihm herausbrechen und laut werden.

Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit denen ich über dieses Thema (digital) nachgedacht habe, kam sofort der Torjubel in den Sinn. Nach oben gereckte Arme, entschlossene Gesten und laute Rufe!

Ob das wohl in einem leeren Stadion funktionieren wird? Vielleicht weil man weiß, dass viele Zuschauer über die Kameras das Geschehen mitverfolgen.

Du erregst lauten Jubel / und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, / wie man sich freut bei der Ernte, / wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.

So können wir es beim Propheten Jesaja lesen.

Jubeln hat immer etwas Gemeinschaftliches, immer auch etwas Demonstratives. Wer jubelt weiß, dass er gesehen wird.

 

Gibt es Grund zum Jubeln in unsern Tagen, die so sehr einer Glas halb voll / halb leer Situation gleicht?

In der Sorgen bereitende Nachrichten und Prognosen sich abwechseln mit dem Gefühl und dem Augenschein, dass so vieles gut funktioniert und nahezu normal weiterläuft.

 

Das Leben der Konfis ist sehr eingeschränkt, wie das aller Kinder und Jugendlichen. Die Kontakte in der Schule, im Sport und in den Vereinen fehlen und der Fernunterricht bietet nur bedingt das Gefühl, eine sinnvolle Aufgabe zu haben.

 

Trotzdem waren die Konfis der fast einhelligen Meinung, dass es auch in unsern Tagen Grund zur Freude gibt. Für viele hat sich mittlerweile das Gefühl eingestellt, dass durch den Lockdown viele Prioritäten auf den Prüfstand kommen und vieles bewusster wird.

Manches von dem was ganz wichtig erschien, fehlt auf einmal gar nicht so sehr und andere kleine Dinge werden schmerzlich vermisst.

„Immer wenn ich in einer Serie sehe, wie sich zwei umarmen denke ich: Das geht heute gar nicht.“ Andere Dinge werden jetzt überhaupt erst möglich: „Meine Mutter hat mir gezeigt, wie die Nähmaschine funktioniert. Ich werde jetzt richtig kreativ.“

 

Liebe Gemeinde,

es gibt Grund zur Freude. Freude, die sich vielleicht heute nicht in lautem Jubel Bahn bricht, sondern angesichts der Situation zurückhaltender ist.

 

Der Sonntag Jubilate bezieht seinen Namen auf ein Wort aus dem Psalm 66: „Jauchzt dem Herrn, alle Lande“

 

Eine interessante Wendung in unserm Konfi-Gespräch geschah, als die Frage aufkam, ob man Gott loben könne in diesen Tagen oder ihn lieber „verklagen“ solle.

Eine starke Meinung war: Gott ist zu loben nicht nur für die kleinen Dinge, die Freude machen, sondern auch für die Gesamtsituation.

Die Corona Situation bringt die Menschen dazu nachzudenken, führte eine Konfirmandin aus.

Spannend - kann man sagen die Pandemie ist ein Jona-Moment der Menschheit?

So wie der Prophet Jona, verschluckt vom Fisch, eingesperrt war im Bauch des Riesentiers, sitzen wir in unsern Häusern. Ganz vergleichen lässt sich das natürlich nicht, aber in einem Punkt schon: Wir haben Zeit über unsere Situation nachzudenken.

Als Resultat seines Nachdenkens hebt der Prophet an zu beten und schließt mit den Worten: Ich aber will dir opfern und laut dein Lob verkünden.

Bestimmt hat es ein bisschen dumpf geklungen, aber Jona betet, preist Gott und ändert schließlich seinen Weg.

Jona hat verstanden, was Gott ihm sagen wollte mit dem Unwetter und dem Fisch.

 

Halten wir es heute überhaupt für eine Möglichkeit, dass Gott durch Corona mit uns spricht? Mit jedem einzelnen und mit uns gemeinsam als Gesellschaft? Ist es für uns überhaupt eine Option zu sagen: Gott handelt in und an der Welt?

 

Die Antwort auf diese Frage zu finden, fällt sicher nicht leicht, aber allein schon sich auf die Suche danach zu machen kann ein Grund zum Jubeln sein!

 

Lied

Ins Wasser fällt ein Stein (EG 621,1-3)

Ins Wasser fällt ein Stein,
Ganz heimlich, still und leise.
Und ist er noch so klein,
Er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes Liebe
In einen Menschen fällt,
Da wirkt sie fort,
In Tat und Wort,
Hinaus in unsere Welt.


Ein Funke, kaum zu sehen,
Entfacht doch helle Flammen.
Und die im dunklen stehen,
Die ruft sein Schein zusammen.
Wo Gottes große Liebe
In einem Menschen brennt,
Da wird die Welt
Von Licht erhellt,
Da bleibt nichts, was uns trennt.

Nimm Gottes Liebe an,
Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
Denn seine Liebe kann
In deinem Leben Kreise ziehen.
Und füllt sie erst dein Leben
Und setzt sie dich in brannt,
Ziehst du hinaus,
Teilst Liebe aus,
Denn Gott führt dir die Hand.

 

Gebe

O Gott, es gibt vieles, das ich nicht weiß.

Es gibt vieles, das ich nicht durchschaue.

Es gibt vieles, das ich nicht in der Hand habe.

Wenn ich mich ohnmächtig fühle, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht das Ganze bewältigen muss, sondern das tun kann, was mein Teil ist.

Wenn ich verunsichert bin, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht alleine bin und dass unsere Weisheit gemeinsam reicher ist.

Wenn ich Angst habe, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen, dass ich nicht aus Gottes Nähe herausfalle, sondern dass Gottes Geist mir nahe ist.

Was ich weiß, ist: Mein Leben und meine Liebe und meine Würde reichen so viel weiter als das, was ich leisten oder tun kann.

Was ich sehen kann, ist: Nach jedem Winter kommt der Frühling und neues Leben wächst aus dem kalten Erdboden.

Was ich kann, ist tief durchatmen und dieser Welt Liebe einflößen, die sie so dringend braucht."

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Vater Unser

Segen

Ihr Pfarrer Philipp Jägle

 

PS  Ein Grund zur Freude ist auch die Lockerung der staatlichen Kontaktbeschränkungen, die es uns ermöglichen, ab kommendem Sonntag wieder gemeinsam Gottesdienst in der Kirche zu feiern. Der Kirchengemeinderat prüft gerade die Vorgaben und notwendigen Maßnahmen.

Wir freuen uns sehr – Jubilamus!