Sonntag Kantate (10.5.2020) Gottesdienst

Evangelische Stadtkirche Ravensburg

Psalm 98

 

VORSPIEL

 

WORT ZUM SONNTAG KANTATE: Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Ps 98,1)

 

LIED

EG 243,1.6 – „Lob Gott getrost mit Singen“

1. Lob Gott getrost mit Singen,

frohlock, du christlich Schar!

Dir soll es nicht misslingen,

Gott hilft dir immerdar.

Ob du gleich hier musst tragen

viel Widerwärtigkeit,

sollst du doch nicht verzagen;

er hilft aus allem Leid.

 

6. Gott solln wir fröhlich loben,

der sich aus großer Gnad

durch seine milden Gaben

uns kundgegeben hat.

Er wird uns auch erhalten

in Lieb und Einigkeit

und unser freundlich walten

hier und in Ewigkeit.

 

VOTUM

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

PSALM

98 (EG 739)

 

Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
AMEN

 

GEBET

Herr unser Gott,

du Schöpfer, Erlöser und Vollender,

dir singen wir unser Lob.

In unseren Liedern
bringen wir die Freude zum Klingen
über das Glück,
das du uns schenkst.
Wir singen dir
unser Vertrauen,
dass du uns und alle, die uns am Herzen liegen,
auch in Zukunft bewahrst
allen Sorgen und Ängsten, aller Krise zum Trotz.
Du hörst den Jubel,
du hörst auch das Seufzen deiner Geschöpfe,
und kennst die Gründe
für das Verstummen.
Schon oft hast du Klagen
in Freude verwandelt,
und die Zunge Verzweifelter gelöst.
Ja, du tust Wunder!
Du erneuerst das Leben!
Du bleibst deiner Erde treu!
Mit allen Geschöpfen
preisen wir dich
und singen dir in unserem Herzen.

 

PREDIGT

Psalm 98

 

Liebe Gemeinde,

 

„Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)

 

„Kantate!“ – Singet! So fordert uns der Psalm auf, von dem der heutige Sonntag seinen Namen hat. Immer wieder sind es kurze Aufforderungen, ja geradezu Befehle, die wir aus der Bibel kennen:

„Singet dem Herrn!“, „Freuet euch!“, „Sorget nicht!“, „Fürchtet euch nicht!“ … Lässt sich das so einfach befehlen? Vergeht uns nicht oft genug das Singen? Sind es nicht die vielfältigen Erfahrungen, die unser Lied ersticken? Aktuell die weltweite Krise, die immer weitere Kreise zieht, immer tiefer geht und die Dinge immer aussichtsloser erscheinen lässt: Müssen wir da nicht verstummen?

 

Und dann soll es noch ein neues Lied sein. Zumeist ist es doch das alte, das wir kennen und gewohnt sind und das wir immer wieder anstimmen. Das Lied von unseren Sorgen, der Unzufriedenheit und Ungerechtigkeit, das Lied vom Zu-kurz-Kommen und von den Gemeinheiten, die man uns antut. Aber auch das Lied vom Leiden und von Schmerzen, von Ängsten und Gefahren.

Auch das Klagelied gibt es, und es hat sein Recht. Gerade in den Psalmen finden wir ein Singen, das zu Herzen geht. In Lob und Klage, in Angst und Freude, in Bitte um Erbarmen und um Rettung. Hier spricht sich menschliches Leben in der Tiefe und umfassend aus. Da wenden sich Menschen an Gott mit allem, was sie bedrückt und beglückt. Der Psalter ist „eines der wenigen Bücher, in denen man sich restlos unterbringt“. (Rainer Maria Rilke).

 

Und hier nun die Aufforderung, ein neues Lied zu singen. Und dafür gibt es einen Adressaten und einen Grund: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Es gilt also von uns wegzusehen. Nicht auf das, was wir erleiden und tun. Im Hinsehen auf unseren Herrn und sein wunderbares Tun, finden wir Anlass zum Singen.

 

Doch wo finden wir Wunder? Wenn wir in diesen Tagen und Wochen unterwegs sind, dann können wir wieder neu staunen über die Wunder in der Natur. Mit allen Sinnen können wir die Schöpfung wahrnehmen. Alles grünt und blüht. Es treibt und knospt, es singt und summt überall. Die ganze Kreatur ist voller Bewegung und Gesang. Und wir? „Wie lieblich ist der Maien … „ oder „Geh aus mein Herz und suche Freud …“ Wir sind eingeladen: „Ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen!“ (Paul Gerhardt)

 

Ja, Wunder, die wir neu entdecken, an denen wir uns neu freuen und über die wir Grund haben, Gott zu loben. Und doch geht es um mehr.

„Er schafft Heil mit seiner Rechten / und mit seinem heiligen Arm.“ All diese Wunder sind gleichsam nur die Werke seiner linken Hand, die er nebenbei tut. Das Eigentliche, sein Heil schafft er mit seiner Rechten, mit seinem heiligen Arm.

 

Israel hat dieses heilsame Schaffen Gottes vielfach erlebt und besingt es immer wieder neu. Dass er sein Volk aus der Sklaverei befreit und trockenen Fußes durchs Meer geleitet hat, dass er es versorgt hat in der Wüste, dass er dieses kleine Volk zu seinem Eigentum erwählt hat, dass er ihnen seine Gebote gegeben und seinen Willen offenbart hat … All das ist Heil-Schaffen mit seiner Rechten und seinem heiligen Arm. Der ewige Gott, der sich so seines Volkes annimmt und sich über es erbarmt.

 

„Der Herr lässt sein Heil kundwerden; / vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.“ Sein Heil, das er mit seiner Rechten schafft, gilt darüber hinaus auch den Völkern. Es ist das Heil, das er uns in Jesus Christus, seinem Sohn offenbar macht. Es ist das Evangelium, das uns in unserer heillosen Welt und allem Scheitern und Fehlen in unserem Leben zugesprochen ist. Das Heil, das in Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen, dem regierenden und wiederkommenden Herrn verbürgt ist. Das ist das Wunder, das uns zum Singen bringen will. Der uns in Christus heim-suchende Gott.

 

Von daher werden auch die Imperative, die Aufforderungen und Befehle in der Bibel verständlich. „Singet dem Herrn!“, „Freuet euch!“, „Sorget nicht!“, „Fürchtet euch nicht!“ Sie kommen von der Gabe her, von dem, was uns in Jesus Christus geschenkt ist. Deshalb können wir jubeln, singen, beten. Deshalb brauchen wir uns in Sorge nicht zu verzehren und vor Furcht nicht vergehen. Sein Heil ist uns in Jesus Christus und seinem Werk gewiss.

 

Doch ist das so einfach? Lassen sich unsere Sorgen und Ängste, unsere Trauer und Not, unser Leiden und unsere Schmerzen einfach wegwischen? Sind sie einfach weg? – Nein, all das ist noch da, aber es ist noch mehr da als das, was uns zu schaffen macht. Seine Nähe, die er uns versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ – Sein Zuspruch: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Dieses Heil lässt sich immer nur in einem „Dennoch“ ergreifen. “Dennoch bleibe ich stets an dir.“ Trotzig allen Anfeindungen und Widrigkeiten sein Wort und seine Verheißung entgegensetzend. Dazu gilt es auf ihn zu sehen und seiner Macht zu vertrauen. Er ist es, dern den Stürmen, Wind und Wellen gebietet.

 

In unserer Kirche werden wir immer wieder neu ausgerichtet. Da steht in der Mitte dieses Kreuz von Ulrich Henn. Es zeigt in den kleinen Medaillons die Heilsgeschichte Gottes. Im Kreuz ist das Heil, das uns gilt. Hier wird es offenbar. An ihm hängt es. Und wenn wir aufschauen, sehen wir Christus in der Mandorla. Es ist der segnende Christus, die uns das Heil zuspricht. Und um ihn die ihm dienenden Engel. So werden wir nicht auf ausgerichtet, sondern geradezu aufgerichtet. Es ist der Blick in Gottes neue Welt. Dort wird das neue Lied, das Lied der Erlösten angestimmt. Und wir sind aufgefordert und eingeladen schon heute miteinzustimmen. „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ Dem sollen wir die Ehre geben, der uns das Leben geschenkt hat, der uns „von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut“ getan hat und noch immer tut. Den zu loben, der uns Heil und Leben schenkt, das uns alle Angst und Not dieser Welt nicht nehmen kann.

Paul Gerhardt zeigt es uns, wie und warum dieses Singen möglich ist, trotzig und tröstlich:

 „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ;
das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“

AMEN

 

LIED

EG 287,1-4 – „Singet dem Herrn ein neues Lied“

 

Kehrvers: Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

 

1. Er sieget mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm;

der Herr lässt sein Heil verkündigen,

er offenbart seine Gerechtigkeit.

 

2. Du meinst, Gott sei sehr verborgen,

seine Macht sei klein und gering?

Gott sähe nicht das, was dich bedrückt?

Sieh auf dein Leben, er hat dich bewahrt!

 

3. Du kennst oftmals deinen Weg nicht,

und du weißt nicht recht, was du sollst;

doch da schickt dir Gott die Hilfe zu:

den einen Menschen, der dich gut versteht.

 

4. Du musst nur zu sehen lernen,

wie er dich so väterlich führt;

auch heute gibt er dir seine Hand,

so greif doch zu und schlage sie nicht aus!

 

FÜRBITTGEBET

Du, Gott schenkst uns Grund zur Freude und zum Lobgesang.
Dein Wort hat Kraft, das Leben neu zu machen.
Wo wir gefangen sind im Elend der Welt,
da sprichst du uns frei.
Wo wir unterzugehen drohen in Angst,
da willst du in uns Zuversicht wecken.
Wo uns nur Trauer und Klage bleiben würden,
da kannst du sie verwandeln in einen Reigen.

Treuer Gott, du schenkst deiner Kirche

auch in unserer Gemeinde viele Begabungen.

Du weckst die Bereitschaft, dir und einander zu dienen.
Wir danken dir für allen Einsatz von Menschen

an so vielen unterschiedlichen Stellen,

gerade auch in der aktuellen Krise.

 

Wir danken dir für den Mut und die Kraft,

die sie einsetzen für Phantasie und Zeit,

mit der sie andere unterstützen.

Lass dies alles zum Segen werden und dir zum Lob,

gerade auch dort, wo Menschen auf Hilfe

und auf ein Herz angewiesen sind:

Wir denken an die Schwachen und Einsamen,

an die Menschen in den Kliniken und Heimen,

aber auch an die Menschen auf der Flucht,

die Heimatlosen und Bedürftigen.

 

Wir danken dir für unsere Lieder,

für Freude und Trost, Hoffnung und Mut,

die wir durch sie empfangen.

So bitten wir dich heute besonders:

Segne den Dienst aller, die in deiner Kirche singen

und musizieren.

Und wir bitten dich, dass wir in dein Lob

bald wieder gemeinsam einstimmen dürfen.

 

VATERUNSER

 

LIED

EG 302,1.8 – „Du meine Seele singe“

 

1. Du meine Seele, singe,

wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge

zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben

hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben,

solang ich leben werd.

 

8. Ach ich bin viel zu wenig,

zu rühmen seinen Ruhm;

der Herr allein ist König,

ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre

gen Zion in sein Zelt,

ist’s billig, dass ich mehre

sein Lob vor aller Welt.

 

SEGEN

 

NACHSPIEL

 

Ihr Dekan Dr. Friedrich Langsam