Andacht zum Sonntag, „Misericordias Domini“, 26. April 2020

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

AMEN.

Psalm 23 (EG 711)

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

 

Eingangsgebet

Gott, unser himmlischer Vater, Du hast uns Deinen Sohn gesandt: Jesus, den guten Hirten, der uns sammelt, der uns den Weg weist, der uns schützt in Gefahr. Wir bitten Dich: gib uns Deinen Geist, dass wir die Stimme des Hirten erkennen und ihm folgen auf dem Weg in das ewige Leben. Amen.

Erstes Lied


EG 511,1-3 „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“

1)     Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.

2)    Weißt du, wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut,
wieviel Fischlein auch sich kühlen in der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen,
dass sie nun so fröhlich sind, dass sie nun so fröhlich sind.


3)    Weißt du, wieviel Kinder frühe stehn aus ihrem Bettlein auf,
dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen;
kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.



Liebe Leserin, lieber Leser!

Trostbilder. Die Stärke geben, Vertrauen und Gelassenheit. Du bist nicht allein. Du bist und bleibst behütet. Du bist und bleibst Kind Gottes, komme, was wolle…

Trost. Bilder von Gott, die Trost und Zuversicht spenden, sind Kernbestand der Bibel. Und sie sind auch Kernbestand, Seelennahrung für jede einzelne Christin, jeden einzelnen Christen.

Gott ist wie eine gute Mutter, wie ein guter Vater. Gott ist wie die wärmende Sonne. Oder schützend wie eine Burg. Das Zauberwort bei all diesen Vergleichen ist „wie.“ Gott ist nicht die Sonne – aber seine lebensspendende Wärme kann man vergleichen mit der Sonne. Gott ist keine Burg, aber ER schützt und birgt. „Wie.“

Trostbilder. Mit das bekannteste ist das vom guten Hirten. So zentral ist es, dass jedes Jahr am Sonntag Misericordias Domini über dieses Motiv gepredigt wird. Klar, dass der Wochenpsalm der Psalm 23 ist: „Der Herr ist mein Hirte…“. Das ist auch der Psalm, den bis heute jede/r Konfirmand/in auswendig lernt. Weil in ihm die beiden Grundhaltungen des Glaubens ausgedrückt werden: Dankbarkeit (er führet mich auf rechter Straße) und Vertrauen (und ob ich schon wanderte im finstern Tal…).

Im Neuen Testament bezieht Jesus das Motiv des Hirten auf sich selber: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich... Und ich lasse mein Leben für die Schafe. (Joh 10,14f).

Das Hirtenbild ist keine süßliche Idylle. Schon der „Stecken und Stab“ aus Psalm 23 ist eine Waffe gegen wilde Tiere. Vom „Angesicht der Feinde“ wird geredet. Wenn Jesus das Bild vom Hirten auf sich anwendet, ist das alles andere als harmlos: „…ich lasse mein Leben für die Schafe…“

Auch im ersten Petrusbrief (1.Petr 2,21-25) ist der tiefe, der dunkle Hintergrund formuliert: Christus hat für uns gelitten, durch seinen Kreuzestod werden wir gerecht.

Der Zielpunkt aber ist positiv: Ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Ihr seid nicht orientierungslos. Ihr seid nicht allein. Ihr gehört zu Gott. Ihr steht in seiner Hand und seid nicht blindem Schicksal ausgeliefert.

Hirte und Bischof eurer Seelen… - auch wenn man immer seltener Schafherden und Hirten sieht – den übertragenen Sinn versteht jede/r.

Gott ist wie ein Hirte. Jesus ist der gute Hirte. Behütend, sorgend, zärtlich. Beschützend, verteidigend, stark.

In vielen Stürmen der Geschichte, in manch persönlicher Not wurde der Psalm 23 gebetet, haben Menschen Zuflucht gefunden beim guten Hirten. Dazu sind wir hier und heute auch gerufen. Amen.

 

Zweites Lied

EG 391,1-4 „Jesu, geh voran“

1) Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

2) Soll's uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nöt'ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

 

Fürbittgebet

Allmächtiger und barmherziger Gott,

Dein Sohn kommt uns nahe als der gute Hirte.

Er weist uns den Weg und schützt uns vor allem Argen.

In vielen Stunden spüren wir, dass er mit uns geht.

Das gibt uns Mut und Zuversicht, Dich zu bitten

-  für alle, die Schutz brauchen und Ermutigung,

-  für alle, die in die Irre geführt werden und im Alltag scheitern,

-  für alle, die verlassen sind und verzweifeln.

Hilf uns und ihnen, dass wir uns Deiner Führung anvertrauen. Amen.

 

Vater unser….

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Martin Henzler-Hermann, Pfarrer an der Evang. Stadtkirche Ravensburg