WORT ZUM OSTERFEST

 

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb. 1,18)

LIED

EG 106,1-5 (Erschienen ist der herrlich Tag)

VOTUM

Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. AMEN

PSALM

118 (EG 747)

 

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm

und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer;

aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn;

die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast

und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

 

GEBET

Herr, du mächtiger Gott! Du bist unsere Freude und die Kraft, aus der wir leben. Du schenkst uns Anteil am Sieg des Lebens über den Tod. Du rufst uns in die Gemeinde derer, die auf dich bauen und den Namen Christi tragen.

 

Wir danken dir für deine Güte und bitten dich: Mache unseren Glauben lebendig, weil du lebst.

Schenke deinem Wort Macht über unser Herz, damit wir dich erkennen. Gib deinem Geist die Herrschaft über unseren Geist, damit wir dir mit unserem ganzen Leben dienen.

Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Kraft der Auferstehung mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit.

 

LIED

EG 108,1-3 (Mit Freuden zart zu dieser Fahrt) – Kinder gehen in die Kinderkirche

PREDIGTTEXT

Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. (1. Kor 15,3-5)

GLAUBENSBEKENNTNIS

Nicänum (EG 687; S. 1244)

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

 

Predigt

Liebe Mitchristen,

Die glocken läuteten

als überschlügen sie sich vor freude

über das leere grab

 

Darüber dass einmal

etwas so tröstliches gelang,

 

und dass das staunen währt

seit zweitausend jahren.

 

Doch obwohl die glocken

so heftig gegen die mitternacht hämmerten –

nichts an finsternis sprang ab.

 

Rainer Kunze drückt in seinen Zeilen die tiefe Not aus: „…obwohl die glocken, so heftig gegen mitternacht hämmerten, nichts an finsternis sprang ab. Das ist doch das Bedrückende: Wir feiern Ostern und haben allenthalben das Sterben vor Augen. Wer könnte sich den Bildern und Berichten entziehen? Da ist die Pandemie, die täglich hunderte und tausende Menschen dahinrafft und unsere Ohnmacht offenbar macht. Da sind die Kriegs- und Krisengebiete, die zerstörten Städte und verwüsteten Landstriche, die heimatlosen Menschen und die überfüllten Flüchtlingslager. Wohin wir schauen, sehen wir den Tod in allen Facetten. Und unser Osterläuten vermag es nicht zu stoppen. Nichts an Finsternis springt ab.

 

„Media vita in morte sumus“ so drückt es eine Antiphon aus dem 11. Jahrhundert aus. Martin Luther hat das alte Lied aufgenommen und verdeutscht: „Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen“ (EG 518). Und diese Wahrheit von damals ist nach rund 1.000 Jahren immer noch dieselbe. Luther war kein Phantast und kein Idealist, sondern Realist, wie auch wir. Ja, es stimmt: überall sehen wir das Sterben, überall lauert der Tod.

 

Von daher sind wir gewohnt auf den Tod zu starren. Über die Medien  haben wir die Opfer vor Augen, die Zahl der Toten, die Tragik des Sterbens, die Schrecklichkeit der Vernichtung. Wir sind fixiert auf den Tod, geben ihm Raum und können ihm und seinen Bildern nicht widerstehen.

 

Doch Paulus lenkt unsere Aufmerksamkeit, unser Sehen und Hören auf etwas anderes. Das, was wir aus der Erinnerung verloren haben, was uns aus dem Blick geraten ist, was über all dem Leid untergegangen ist. „Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe…“ Evangelium, – frohe Kunde, gute Nachricht, Hoffnungsbotschaft, Siegesnachricht… wie immer wir es bezeichnen. Es ist das Positive, das Hoffnungsvolle, das, was Zukunft eröffnet und was wir in diesen Nachrichten von Sterben und Tod in unserer Welt so vergeblich suchen. Hier ist sie: Paulus verkündet sie, die Botschaft, dass der Tod besiegt und überwunden ist. Die Nachricht vom Tod des Todes.

Christus, gestorben – begraben – auferweckt – erschienen. Das ist die kürzeste Fassung. Doch die bedarf der Entfaltung, der Erklärung. Gestorben für unsere Sünden, wie es in den Schriften des ATs schon vorhergesagt war. Begraben –, weil der Tod auch bei Jesus totsicher war.

Und dann das Unerhörte: Auferweckt am dritten Tag. Der Stein, der das Ende zu besiegeln schien wurde weggerollt. Das Grab wurde geöffnet, – aber nicht von Menschen. Da hat ein anderer seine Hand im Spiel. Da war Gott selbst am Werk, das wird aus den Erzählungen der Evangelien deutlich.

Was ist, wenn das „totsicher“ nicht mehr gilt und der Tod seine Toten nicht mehr halten kann? Ist da nicht alles, was wir wissen und kennen, eine ganze Welt auf den Kopf gestellt?

 

Aber dem nicht genug: Erschienen. Jesus Christus hat sich damit als lebendig erwiesen, hat gezeigt, dass er lebt. Paulus zählt die auf, denen er erschienen ist und die ihn gesehen haben. Und er selbst legt davon Zeugnis ab. Auch ihm ist er erschienen.

Sein Erscheinen macht deutlich: Der auferstandene Herr hat einen neuen Leib, einen unsterblichen und einen, der nicht den Gesetzen dieser Welt unterworfen ist. Und doch bezeugt es Paulus mit einer ganzen Schar von Zeugen: „Wir haben ihn gesehen und gehört, wir haben ihn gefühlt.“ Wie soll man das begreifen?

 

„Wir reden nicht darüber, weil wir es sagen könnten, sondern weil davon nicht geschwiegen werden dar.“ (Augustin). Nein, wir können es nicht erklären, nicht begreifen, nicht erfassen und doch können wir davon nicht schweigen, weil er lebt. Wir können nicht davon schweigen, weil an dieser Stelle „Finsternis abgesprungen“ ist. Da, an dieser Stelle, mit der Auferstehung Jesu Christi ist die Finsternis überwunden. Da ist der Tod besiegt. Er ist nicht länger der Tyrann, der uns alle mit seiner Macht bannt und lähmt. Da ist Licht, da ist Leben, da ist Hoffnung und Zukunft für uns alle.

 

Daran will Paulus uns erinnern, dass wir durch den auferstandenen und erschienen Jesus Christus das Leben haben. Und keine Macht dieser Welt, auch kein Tod, wie schrecklich er immer auch sein mag, kann uns hinfort das Leben nehmen. In ihm und durch ihn gehören wir auf die Seite des Lebens.

 

Aber widerspricht das nicht unserer Erfahrung? „…obwohl die Glocken, so heftig gegen mitternacht hämmern, nichts an finsternis sprang ab.“ Auch Paulus hat nach dieser Erscheinung Leidvolles erlebt. Er hat an seiner Krankheit gelitten, die er gerne losgehabt hätte. Doch mitten in all dem, hat er die Kraft des Auferstandenen erfahren. All das konnte er ertragen und aushalten, weil er wusste: Das ist nicht das Letzte. Das unüberbietbare und nicht einholbare Ereignis ist die Auferstehung. Der Sieg Gottes über den Tod, der in Jesus Christus verbürgt ist. Von ihm fällt auf alles ein neues Licht. Wer sich an den Auferstandenen hält, dem kann auch der Tod das Leben nicht mehr nehmen.

 

Das ist Evangelium, frohe Botschaft, an die uns Paulus erinnert. Wir sollen nicht länger auf den Tod starren auf das Dunkel, das nicht abspringt. In ihm dem Auferstandenen ist es hell und licht geworden für eine ganze Welt. Deshalb ist Ostern Grund tiefster Freude.

 

Nein, wir sind nicht verschont von schmerzlichen Erfahrungen gerade auch in dieser Zeit von Krankheit und täglichem Sterben, aber wir haben Hoffnung in und durch den auferstandenen Jesus Christus. Deshalb: Schauen wir auf den Sieger, halten wir uns an den Überwinder. Er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende und hat uns versprochen: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“  AMEN

 

LIED

112,1-3 (Auf, auf, mein Herz mit Freuden)

 

FÜRBITTGEBET


Du auferstandener, lebendiger Jesus Christus!

Wir feiern mit dir deinen Sieg des Lebens,

freuen uns an der festen Hoffnung,

dass die Schatten des Todes

weichen müssen aus unserer Welt.

 

Bewahre uns den großen Trost dieses Tages,

wenn wir im Alltag wieder erleben,

wie zerbrechlich alles ist,

was uns viel bedeutet:

unser Glück,

unsere Gesundheit,

unsere Kraft. –

Unser Leben vergeht,

du aber bleibst und erschließt uns Zukunft

in deiner lebendigen Gegenwart.

So bitten wir für deine Kirche

um Mut zum Zeugnis und zur Tat,

der aus der Freude über deine Auferstehung kommt.

Wir bitten für diese weite Welt.

Für alle in Angst und Leid,

für alle Kranken und von der Pandemie Betroffenen,

für die Verfolgten und Unterdrückten,

für all die unter Krieg und Krisen Leidenden,

für die Heimatlosen und Flüchtenden.

Schenke und erhalte uns allen die Hoffnung auf dich

und dein Wort: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

 

VATERUNSER

LIED

EG 99 (Christ ist erstanden)

Christ ist erstanden / von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ’.
Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

SEGEN

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.


Dekan Dr. Friedrich Langsam, Ravensburg