Gottesdienst zu Quasimodogeniti 2020

Lied 117

1. Der schöne Ostertag! Ihr Menschen kommt ins Helle! Christ der begraben lag, brach heut aus seiner Zelle.
Wär vorm Gefängnis noch der schwere Sein vorhanden, so glaubten wir umsonst. Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden!

2. Was euch auch niederwirft, Schuld Krankheit, Flut und Beben – er, den ihr lieben dürft, trug euer Kreuz ins Leben. Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, so kämpften wir umsonst. Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden!

3. Muß ich von hier nach dort- er hat den Weg erlitten. Der Fluß reißt mich nicht fort, seit Jesus ihn durchschritten. Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, so hofften wir umsonst. Doch nun ist er erstanden!

Psalm 67 (EG 730)

2 Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten, 3 dass man auf Erden erkenne deinen Weg, unter allen Heiden dein Heil. 4 Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker. 5 Die Völker freuen sich und jauchzen, dass du die Menschen recht richtest und regierst die Völker auf Erden. Sela. 6 Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker. 7 Das Land gibt sein Gewächs; es segne uns Gott, unser Gott! 8 Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!

Liebe Gemeinde,
„Die Schatzinsel“ ist bis heute einer der klassischen Abenteuerromane. Der schottische Autor Robert  Louis Stevenson hat ihn 1881 zum ersten Mal veröffentlicht und bis heute sind junge und alte Menschen von der Abenteuer-Geschichte fasziniert.

Der Ich-Erzähler der Geschichte, ein Teenager mit dem Namen Jim Hawkins, ist auch von dem Gedanken an den Schatz fasziniert. Aber durch seine Unerfahrenheit und Gutgläubigkeit bringt er sich selbst und den Erfolg der Schatzsuche immer wieder in Gefahr.

Auch im wirklichen Leben heute träumen viele Menschen davon, einen Schatz zu besitzen. Aus diesem Grund wird Lotto gespielt und an Geldmärkten spekuliert. Ein Schatz birgt so etwas wie das innere Bild für: Jetzt habe ich genug. Ein Schatz der reicht für lange Zeit!

Übertragen ist dieses Bild auch gut anwendbar auf die Reflexe und Instinkte, die uns Menschen dazu bringen, beispielsweise Klopapier zu horten. Da steckt der Schatz ja schon im Begriff.

Matthäus 6

19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen.

20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.

21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.

23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!


Die Weisheit, dass ein Geld- oder Klopapier-Schatz allein nicht glücklich macht, ist also schon sehr alt und trotzdem träumen wir immer noch davon.

Jesus rät, stattdessen „Schätze im Himmel“ zu sammeln.

Was aber bedeutet das?

Soll man gute Werke tun, großzügig spenden für Brot für die Welt und auch dem Bettler am Grünen Turm jedes Mal einen Schein in die Pappschachtel werfen?

Wird solche Freigiebigkeit etwa bei Gott im Himmel registriert? Und haben die Spender dann irgendwann einen Vorteil davon – etwa nach dem Tod beim jüngsten Gericht?

Sollte es so einfach sein, am Ende wird halt abgerechnet?

 

Aber dann heißt es im Text ja - Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Für solche Sätze liebe ich die Bibel.

Und ich glaube, hier ist das Zentrum des Jesus-Wortes.

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Es geht Jesus weder um Kaufkraft noch um fromme Werke und auch nicht um Vorratshaltung, die ja sinnvoll sein kann.
Es geht ihm um mein Leben: Was für ein Mensch bin ich eigentlich? Oder mit den Worten der nächsten Passage des Jesus-Wortes:

Was strahlen meine Augen aus: Licht oder Finsternis?

Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.

Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.

Neid und Habgier können unsere Seele trüben. Das spricht dann aus unserem Blick. Damit bringen wir Finsternis in unsere Umgebung. Solch ein finsterer Blick auf andere Menschen erzeugt Misstrauen, Vorsicht, manchmal sogar Angst.

Ein Schatz hingegen ist weder gut noch böse, denke ich. Was Geld, Besitz oder Erfolg bewirken, hängt davon ab, mit welcher inneren Haltung wir Menschen damit umgehen.

Sind wir neidisch und wachen mit zusammengekniffenen Augen über unseren „Schatz“ oder freuen wir uns und lassen die Freude hell ausstrahlen.

In meiner Schatzkiste habe ich drei Dinge mitgebracht, die mir wichtig sind - An die ich mich gerne erinnern lassen möchte. Vielleicht helfen Sie Ihnen ja auch.

Zuerst die Sonne. Sie steht für das Licht.

Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.

Manchmal nehme ich das Licht um mich her gar nicht mehr wahr. Manchmal nehme ich die Schönheit dieses wunderbaren Planeten gar nicht mehr richtig wahr.

Alles, was ich habe, scheint selbstverständlich. Zumindest solange, wie ess Gegenwärtig erleben wir in besonderer Weise, dass unsere materielle Grundlage nicht selbstverständlich ist, dass unser  Gesellschafts-System auf vielen Voraussetzungen basiert, die wir nicht garantieren können. Diese Einsicht und die Sorge, die daraus resultiert, kann zu einem Tunnel-Blick führen, der immer mehr zu Verzweiflung führt.

Ein himmlischer Schatz wäre es, die Schönheit, die uns umgibt mit offenen und aufmerksamen Augen einzufangen und sich daran zu freuen.

Dann die Glöckchen.

Sie haben einen hellen, klaren Ton. Aber sie sind nicht laut. Für mich sind sie ein Zeichen, still zu werden. Zu lauschen, nach innen zu hören: Die guten Gaben, die Lebensenergie, die Dinge des Alltags - all dies wahr zu nehmen.

Und dann zu spüren, wie Dankbarkeit in mir wächst, wie mein Auge, mein Blick licht wird und hell, und wie es zu strahlen beginnt – nach innen wie nach außen.

Ein Herz findet sich noch in meinem Schatzkästchen.

Das Symbol für die Liebe, für Vertrauen und Freundschaft.

Für das, was mit seinem Schlagen unseren Kreislauf aufrecht erhält. Ohne Herz, das schlägt, ist es aus mit uns. Das kann niemand kaufen.
Ohne dass ich es verdient hätte, schenken mir andere Liebe, Sympathie, Zuwendung, Geborgenheit und Vertrauen. Schenkt mir Gott das Leben.

Dankbar und froh sein – Das ist der größte Schatz für mich!

Was für ein Himmelsgeschenk - der größte aller himmlischen Schätze!

Der Friede Gottes, der höher ist als all unsre Vernunft bewahre unsere Herzen in Jesus Christus.  Amen

Fürbitte

Herr, wir glauben, hilf unserm Unglauben. Auf dich hoffen wir, stärke unser Vertrauen. In Liebe möchte wir leben, mach uns deiner Liebe gewiss. Dich rufen wir an:

Kyrie eleison

Öffne unser Augen, dass wir deine Wunder sehen. Wecke unsern Geist, dass wir erfahren, was du unter denen schaffst, die auf dich hoffen. Dich rufen wir an:

Kyrie eleison

Gott hilf uns, dass wir nicht unguten Mächten verfallen. Gib, dass unsere Wünsche den Tag nicht verdunkeln, dass unsere Gedanken nichts Böses anrichten, dass unsere Worte niemandem wehtun, dass unser Verhalten keinem die Hoffnung nimmt. Dich rufen wir an:

Kyrie eleison

Vielmehr, lass uns mit unserem Vorhaben und Tun, Freude machen und andere zum Aufatmen helfen, soweit sie es vermögen. Lass uns Aufmerksamkeit schenken, Hoffnung stiften, Zuversicht wecken. Dich rufen wir an

Kyrie eleison

Hindere uns, Türen zu verriegeln. Lehre uns zu warten, bis deine Zeit kommt; zuzuhören, was andere bewegt; zu schweigen, wo wir an Grenzen kommen; das rechte Wort sagen im passenden Augenblick.


Als Deine Kinder beten wir gemeinsam: Vater Unser…

Lied

Meine Hoffnung und meine Freude
Meine Stärke, mein Licht
Christus meine Zuversicht
Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht
Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

SEGEN

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

 

Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer Jägle