Gottesdienst am Sonntag Rogate Corona

Votum

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

AMEN.

 

LIED

„Tut mir auf die schöne Pforte“ (EG 166, 1-3)

 

1. Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

3. Lass in Furcht mich vor dich treten, heilige du Leib und Geist,
dass mein Singen und mein Beten ein gefällig Opfer heißt.
Heilige du Mund und Ohr, zieh das Herze ganz empor.

 

PSALM

121 (EG 749)

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;

der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

AMEN

 

GEBET

Du bist mein Gott,
nach dem ich suche,
haben wir gebetet –
und es ist wahr,
wir suchen dich
Wir wissen,
wir können zu dir kommen mit dem,
was uns auf dem Herzen liegt.
Aber wir vergessen deine Einladung zum Beten so oft
in unserem Alltag.

Wie anfangen?

Wie sich sammeln,
wie Ruhe finden?

Gib uns ein Zeichen,
dass du da bist,
verständnisvoll zuhörst.

Wir brauchen es in Deiner Gegenwart stehen zu dürfen.

Amen

 

Lesung

Matthäus 6,5-13

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

Rogate, betet! Heute ist einer der Sonntage mit ganz eindeutigem Thema. Nach Jubel und Gesang geht es um das Beten. Im Speziellen sogar um das Gebet der Christenheit. Wir haben es gerade in der Lesung gehört. Vielleicht war es ein bisschen ungewohnt nicht einzustimmen. Kein Gottesdienst, keine Trauung keine Taufe ohne das Vater Unser.

Ein Vater Unser geht immer - von der Grundschule bis zum Pflegeheim, von der Schuleinweihung bis zum Friedhof.

Das Vater Unser ist gewissermaßen die Allzweckwaffe des christlichen Betens. Und es gibt meiner Meinung nach wenig Erhebenderes, als eine Gemeinde die mit vielen Stimmen gemeinsam das Vater Unser betet.

 

Aber es gibt auch die, die das kritisch sehen. Martin Luther hat die Kritik einmal in die harten Worte gefasst: Das Vater Unser ist der größte Märtyrer auf Erden, denn jedermann plagt und mißbrauchts. Für ihn war das Vater Unser das einfach so, gewohnheitsmäßig aufgesagt wurde und wird ein Mißbrauch.

Wie kommt er dazu? Ein Schlüssel ihn zu verstehen, ist seine Definiton des Gebets: Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung.

Ein Reden des Herzen und damit etwas ganz und gar Innerliches.

 

Für Jesus wir haben es in der Lesung gehört, hat das Gebet im stillen Kämmerlein, also im privatesten Bereich seinen Ort. So entsprach es auch seiner eigen Praxis: Und er begab sich in die Einsamkeit. So können wir es immer wieder lesen.

Jesus betet auch nie ausdrücklich mit seinen Jüngern. Wenn er ihnen die Worte des Vater Unsers schenkt, dann mit der direkten Anweisung: Tut so für Euch.

 

Ein Gebet, das ist ein direktes Vor-Gott stehen des Betenden, da geht es um eine Beziehung und einen Kontakt und nicht um eine Demonstration. Das Gebet ist etwas Intimes. Nicht umsonst wird ein ganz intensives Gebet mit einem etwas altem Wort auch als innig beschrieben.

 

Ein inniger Liebesschwur hat doch auch seinen Platz in der stillen Kammer oder zumindest im direkten Gegenüber der Liebenden.

Öffentlich vorgetragen gerät er in die Gefahr aufgesetzt oder gar kitschig zu wirken, wenn zu spüren ist, dass noch andere Adressaten als der oder die direkt Angesprochene im Blick sind.

 

Wie steht es also mit unsern öffentlichen Gebeten, in Gottesdiensten, Andachten, Jugendgruppen, im Unterricht. Wir sind es doch gewohnt miteinander zu beten. Müssen wir das jetzt abschaffen, wo wir Jesu Worte hören?

 

Ich habe in der wöchentlichen Videokonferenz mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden, auch diese Frage gestellt. Kann man da denn noch gemeinsam beten?

Eine Antwort, die aus der Runde kam, war: Gemeinsam beten stärkt einen doch, weil man sieht was andere bewegt, dass man mit seinen Sorgen und Sehnsüchten nicht allein ist und man selbst zum Beten inspiriert wird.

 

Beten im Gottesdienst hilft einem auch sich zu konzentrieren, auf Gott hin auszurichten und sich selbst durch die gemeinsame Erfahrung stärken zu lassen.


Vielleicht verhält es sich mit den Gebeten im Gottesdienst und den eigenen Privaten, wie mit dem eigenen Lieben und der Liebeslyrik.

 

Ein Liebeslied oder Gedicht, das ist ja, wenn es ein gutes ist, der Ausdruck eines persönlichen Liebens. Gerade wie das Gebet im Gottesdienst, im guten Sinn ebenfalls der Ausdruck der Gottesbeziehung eines einzelnen ist.

Und genauso wie das Liebeslied, ersetzt es nicht die persönliche Erfahrung und das eigene Erleben.

Aber es gibt uns Sprachmöglichkeiten an die Hand und macht uns selbst offen unsern Glauben auszudrücken.

 

Und wir werden in eine Reihe gestellt. Schon im Begriff Vater unser wird das deutlich. Nicht mein Vater oder Vater mein heißt es da.

Unser Vater - schon Jesus stellt sich und uns in eine Reihe von Menschen, die vor Gott stehen und die sich vertrauensvoll an ihn wenden.

Für mich liegt viel Trost in dem Gedanken, dass in jeder Minute des Tages irgendwo auf der Welt Menschen gerade das Vater Unser beten. In ihrer Sprache und an ihrem Ort. Und das gilt nicht nur im Bezug auf die Geographie, den Raum, sondern auch für die Zeit.

Seit es Christen gibt beten sie das Vater Unser.

Diese Reihe durch Raum und Zeit wird für mich konkret in jedem Gottesdienst, jeder Schulstunde, in der ich mit anderen Menschen beten darf. Das wir nicht miteinander singen sollen das ist schlimm, aber wenn wir nicht miteinander beten dürften - das wäre eine Katastrophe.

 

Wie gehen wir nun aber mit den Worten Jesu um? Ein wesentliches Element haben wir noch nicht in Betracht gezogen: Die gerne auf der Straße beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.

 

Da liegt für mich der Schlüssel. Das öffentliche Gebet liegt immer in der Gefahr, seine eigentliche Bestimmung zu verlieren, weil es nicht nur ein Reden mit Gott ist, sondern auch andere Adressaten hat.

Wenn ein Präsident öffentlich betet und für sich beten lässt, dann geht es ihm nicht nur um ein Reden des Herzens mit Gott, sondern auch um einen Erweis von Frömmigkeit und Unterstützung durch Vertreter bestimmer Konfessionen. Das Gebet wird zu einer Demonstration und ist damit nur der Form nach noch Gebet.

Auch wir müssen die Gebete in unsern Gottesdiensten und Versammlungen immer wieder darauf prüfen, ob sich nicht andere Motivationen hineinschleichen.

 

Das Nachdenken über das Gebet stellt uns letztlich vor die Frage, wie wir selbst uns in die Gegenwart Gottes hineingestellt sehen und wie wir Gott als Gegenüber suchen.

Die christliche Tradition kennt viele Formen und Gestalten des Gebets. Gemeinschaftliche und ganz Innerliche. Wesentlich bei allen ist die Hinwendung zu Gott, das Anerkennen seiner Liebe den Menschen gegenüber.

Gottes Gegenüber sein, darum geht es im Gebet.

Amen

 

LIED

„Bist zu uns wie ein Vater“ (Wwdl 8, 1-6)

 

1)     Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst.
Der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist.

 

Refrain: Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen.
Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten… Amen.

 

2)  Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, geschehen.
Auf der Erde, im Himmel sollen alle es sehn.

3.)  Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heute unser Brot.
Und vergib uns den Aufstand gegen dich und dein Gebot.


4.)  Lehre uns zu vergeben, so wie du uns vergibst.
Lass uns treu zu dir stehen, so wie du immer liebst.

5.)  Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort.
Mach uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort.

6.)  Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf.
Bist ein herrlicher Herrscher und dein Reich hört nie auf.

Fürbitten

Das Fürbittgebet erfolgt heute in der Form des stillen Gebets,
in der jeder und jede die Gelegenheit hat,
mit dem was auf dem Herzen liegt vor Gott zu treten.

 

Gemeinsam beten wir: Vater Unser

 

LIED

„Wie lieblich ist der Maien“ (EG 501, 1-4)

 

1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!

Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.

Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;

drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloss’A.

3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,

damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,

die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein

und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;

die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,

damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

 

SEGEN

 

Philipp Jägle, Pfarrer
Evang. Stadtkirchengemeinde Ravensburg