Andacht zum Sonntag Judika 29.3.2020

Hebräer 13,14

 

LIED 

EG 97 (Holz auf Jesu Schulter)

 

VOTUM 

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

PSALM 43

Gott, schaffe mir Recht

und führe meine Sache wider das unheilige Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes,

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

EINGANGSGEBET

Herr, wie um das tägliche Brot

bitten wir dich jetzt um dein Wort.

Gib es uns so, dass es uns verwandelt,

dass es uns nicht ärgert, wenn es uns trifft,

dass es uns nicht freut, wenn es andere trifft

und dass ich es nicht überhöre,

wenn du mit mir selber sprichst.

 

Gib es uns so, dass wir es nicht mehr vergessen,

wenn das Geschwätz und der Lärm wiederkommen,

dass es nicht erstickt wird,

wenn die Sorgen und Ängste wiederkommen,

dass wir es nicht fahren lassen,

wenn es uns etwas kostet.

Lass uns deinem Reden Stille halten.

Denn ohne dein Wort

verdorrt alles Leben.

Darum sprich mit uns,

wir wollen deine Diener sein

 

WOCHENLIED   

EG 76,1-2 (O Mensch, bewein dein Sünde groß)

 

PREDIGT

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebräer 13,14)

 

Ein Tourist hatte sich auf einer Wanderung verlaufen und stieß nach langem Umherirren am Abend schließlich auf ein einsames Kloster. Weil es bereits spät war, schaffte er es nicht mehr in den nächsten Ort und übernachtete im Kloster bei Kartäuser-Mönchen. Als er sich dort umsah, war er sehr erstaunt über die spartanische Einrichtung ihrer Zellen und fragte die Mönche: „Wo habt ihr eure Möbel?“ – Schlagfertig fragen die Mönche zurück: „Ja, wo sind denn deine?“ – „Meine?“, erwidert darauf der Tourist verblüfft, „ich bin doch nur auf der Durchreise hier.“ – „Ja“, sagen die Mönche, „wir auch“.

Auf der Durchreise. Diese kleine Geschichte ruft uns in Erinnerung, was wir doch alle längst wissen: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt…“ Und wer auf der Durchreise ist und nicht bleiben kann, der muss Abschied nehmen – immer wieder neu. Wie leicht fällt uns das?

„Wohlan, Herz, nimm‘ Abschied und gesunde!“ (Hermann Hesse, Stufen). Zumeist gesunden wir nicht an Abschieden, sondern tragen schwer daran. – Abschiede aus der Heimat – denken wir an die Vertriebenen, bei denen dies tiefe Narben hinterlassen hat. Abschiede von dem was wir erarbeitet und erworben haben. Denken wir an die Währungsreform, in der viele Hab und Gut verloren haben. Abschiede aus dem Berufsleben, das uns erfüllt hat. Abschiede, wenn die Kraft nachlässt und die Gesundheit schwindet. Oder jetzt die vielen vom Corona-Virus infizierten Menschen. Abschiede von Kindern, die aus dem Hause gehen, aber auch Abschiede vom Lebenspartner und von lieben Menschen, wenn wir an einem Grab stehen. Und wir denken jetzt an die Menschen, die von den vielen Opfern der Corona-Pandemie Abschied nehmen müssen und dies nicht einmal im Rahmen einer Beerdigung tun können. Abschiede, zumeist gesunden wir daran nicht, sondern tragen schwer daran, drohen daran zu zerbrechen.

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt…“ Wir sind unterwegs in unserem Leben. Wir sind heimatlos und ohne letzte Sicherheit und Geborgenheit. Damit kann man gewiss kokettieren, wie es in dem bekannten und melancholisch gefärbten Lied von annes HHHannes Wader heißt: „Heute hier morgen da, bin kaum hier muss ich fort…“ und im Refrain: „So vergeht Jahr um Jahr, und es ist mir längst klar, das nichts bleibt, das nichts bleibt, wie es war.“ Nicht nur die Orte, an denen wir uns so gut eingerichtet haben, bleiben nicht, auch wir selbst haben keine Bleibe. Abschiede prägen unser Leben. Heimatlosigkeit zeichnet unser Leben aus.

Aber der Schreiber des Hebräerbriefes bleibt dabei nicht stehen. Er stimmt kein Lamento über den Verlust an. Er schaut nicht traurig und wehmütig zurück. Er schaut nach vorne. Die Zukunft ist im Blick. Davon zeugt der zweite Teil des Verses: „…sondern die zukünftige suchen wir.“

Es geht dabei nicht um ein „Heute hier morgen da“, sondern um ein Ziel, auf das hin wir unterwegs sind. Ein Ziel, nach dem wir uns sehnen, eine Heimat, wo wir hingehören und bleiben können. „Heimat ist das, was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war.“ (Ernst Bloch). Da klingt etwas von der Sehnsucht an, die wir alle in uns tragen: Sehnsucht nach Heimat, in der noch niemand war und nach der hin wir doch alle unterwegs sind. Diese Heimat im Himmel, die meint der Hebräerbrief, nach der streckt er sich aus und ermutigt uns, auf diesem Weg unterwegs zu bleiben. Und er weist dabei auf den hin, der uns auf diesem Weg vorangegangen ist: Jesus. Auch er hatte keine Heimat, keine Bleibe in dieser Welt. „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ (Lk 9,58).

 „…sondern die zukünftige suchen wir.“ Suchen kann man nur mit einem klaren und festen Ziel. Es braucht eine Orientierung nach vorne, ein Fixiertsein auf die Zukunft. D. h. alles bleibt vorläufig. Oder anders: Nichts bleibt beim Alten. „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb. 21,5). Das verheißt uns der Auferstandene. Eine neue Stadt.– Stadt! Dort sind wir nicht allein. Das meint ein Gemeinwesen. Dort stehen wir in Gemeinschaft in innigster Weise. Dort sind wir nicht länger „Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“. (Eph 2/19). Dahin sind wir unterwegs, wo wir an seinem Tische sitzen werden und IHN sehen werden wie er ist. Dieser Ausblick hat Menschen gerade in bedrängtem Unterwegssein immer wieder Trost und Hoffnung gegeben. Denken wir an die schwarzen Sklaven, die Heimatlosigkeit in tiefster Weise erfahren haben. Diesen Ausblick haben sie sich offengehalten: „When the saints go marching in.“ Das ist das große Ziel.

Deshalb gilt es den großen und weiten Horizont von Gottes neuer Welt offen zu halten, die Stadt, auf die hin wir unterwegs sind. Gerhard Tersteegen hat dies in seinem Abendlied schön zusammengefasst: „Ein Tag, der sagt dem andern, / mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, / mein Herz an dich gewöhne, / mein Heim ist nicht in dieser Zeit.“ (EG 481,5)

Diese Heimat hat uns der bereitet, der uns auf diesem Weg vorangegangen ist. In dieser Passionszeit bedenken wir, worauf der Hebräerbrief unmittelbar vor diesem Vers verweist: Jesus hat für das Volk mit seinem Leiden und Sterben gelitten draußen vor dem Tor. Verachtet und ausgesperrt ist er den Weg ans Kreuz gegangen. Dort hat er uns den Weg bereitet, der über sein Kreuz und seine Auferstehung zum Vater führt. Dort in der „großen Ewigkeit“ ist unser Wandern zu Ende. Dort, bei ihm, sind wir am Ziel.  In diesem Sinne sollen wir uns ausrichten auf ihn und diese bleibende Stadt. – Mitten in aller Unsicherheit, Not, Angst und noch im Sterben gilt sein Wort: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen … und ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ (Joh 14,1-3)

Mit diesem Blick und dieser Zusage leben wir im Zeichen des Kommenden, im Horizont des Verheißenen. So können wir getrost und getröstet leben inmitten aller Ängste und Abschiede. Denn: „Es ist gerade die versprochene Heimat, die uns heimatlos macht.“ (Dorothee Sölle). AMEN

FÜRBITTGEBET  

(nach velkd.de)

E1: Ratlos sind wir, Gott,
und bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.


E2: In Sorge um unsere Angehörigen sind wir,
und wir bringen unsere Sorge vor dich.


E3: Bedrückt sind wir,
und wir bringen unsere Angst vor dich.


A: Dankbar sind wir für alle Menschen,
die uns Mut machen,
und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

E 1: Mitten hinein in unsere Angst
schenkst du uns das Leben.

E 2: Du schenkst uns
Musik, Gemeinschaft und
die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.


E3: Du schenkst uns
Inspiration,
Freundlichkeit
und Mut.


A: Du schenkst uns
den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.
Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.
Amen.

 

VATERUNSER

 

LIED

EG 592 (Licht, das in die Welt gekommen)

 

SEGEN   

 

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. AMEN

 

 

Dekan Dr. Friedrich Langsam, Ravensburg