Zum Sonntag Lätare, 22. März 2020

Eingangsgebet

Allmächtiger und barmherziger Gott,
es ist ein merkwürdiges Gefühl, für sich allein Gottesdienst zu feiern.
Ungewohnt ist es. Sogar ein bisschen unheimlich.

Ich wende mich zu Dir, Gott: mit allem, was mich bewegt.

Ich stelle mich in Dein Licht: im Vertrauen darauf,
dass Du mir die Seele hell machst und mich tröstest.

Stärke mir und allen Mitbetenden die Seelenkräfte:
den Glauben, die Hoffnung, die Liebe.
Das bitte ich durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Bruder und Heiland.

Amen.

 

Lied: „Befiehl du deine Wege“ (EG 361, 1-3)

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

 

2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held,und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

 

Psalm 91

(Evang. Gesangbuch)

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt

und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers

und von der verderblichen Pest.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken,

und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,

vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,

vor der Pest, die im Finstern schleicht,

vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Denn der Herr ist deine Zuversicht,

der Höchste ist deine Zuflucht.

Es wird dir kein Übel begegnen,

und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Über Löwen und Ottern wirst du gehen

und junge Löwen und Drachen niedertreten.

»Er liebt mich, darum will ich ihn erretten;

er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.

Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not,

ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.

Ich will ihn sättigen mit langem Leben

und will ihm zeigen mein Heil.

Amen.

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Es sind merkwürdige Zeiten, in denen „zueinander stehen“ bedeutet, Abstand zu halten.

Es sind merkwürdige Zeiten, in denen von den Behörden verboten wird, Gottesdienste zu halten.

Und, um ehrlich zu sein, etwas in mir widerstrebt dem auch und will widersprechen. In Zeiten der Not muss man doch zusammenkommen! In Zeiten der Not muss man doch in die Kirchen strömen und beten!

Die Vernunft ist natürlich auf der Seite der Behörden und der Virologen. Wer wollte auch die Verantwortung übernehmen, wenn jemand krank würde in einem Gottesdienst? Vernünftig sein ist auch eine Form von Nächstenliebe…

Der überaus wichtige Gemeinschaftsaspekt verschwindet, wenn Zusammenkünfte nicht mehr erlaubt sind. Man kann aber auch miteinander beten, wenn man nicht im gleichen Raum ist. Weiterhin werden sonntags um 10 Uhr die Glocken der Stadtkirche läuten, gegen 10.35 wird auch die Vater-unser-Glocke zu hören sein. Wenn wir dann gemeinsam beten? Die Stadtkirche läutet seit Generationen täglich um 7 Uhr, um 12 Uhr, um 15 Uhr und um 19 Uhr – das sind die „klassischen“ alten Gebetszeiten, in denen kurz die Arbeit ruhen sollte um gemeinsam ein Vater unser zu beten. Ob wir das jetzt wiederentdecken können?

Am Sonntag wären mehrere Kinder getauft worden. Auch Taufen sind tatsächlich (außer Nottaufen) verboten. Den Taufsegen (Jesaja 43,1), der über Täuflingen gesprochen wird, will ich uns mitgeben für die nächste Zeit:

„So spricht Gott, der dich erschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; Du bist mein!“

Wir sind hineingetauft in die Freiheit der Kinder Gottes. Gottes Zusage gilt, auch und gerade in Zeiten der Not und der Unsicherheit.

Vernünftig sein ist das Gebot der Stunde, ja. Mir und Ihnen wünsche ich aber auch eine Prise „heilige Furchtlosigkeit!“

Alles Gute Ihnen! Gott segne Sie!

Martin Henzler-Hermann

 

Fürbitten

Allmächtiger und barmherziger Gott,

Du bist unserer Zuversicht und unsere Burg. Unter Deinem Schutz und Schirm leben wir. Danke!

Wir bitten um Vernunft und Mut, um Kraft und Besonnenheit.

Vor Dir denken wir an die Erkrankten und Sterbenden.

Vor Dir denken wir an die Ängstlichen und Verzagten.

Wir bitten um Kraft für die die Krankheit bekämpfen. Und für die, die Kaufhäuser, Apotheken und unsere Infrastruktur am „Laufen“ halten.

Segne und behüte mich und alle, die zu mir gehören.

Besonders bete ich für:…N.N……….N.N………N.N.

Lass leuchten Dein Angesicht über ihnen und mir. Amen.

 

Lied: „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (EG 171, 1-4)

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen,

sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen.

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten,

voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten.

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns vor allem Bösen.

Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen,

sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen.

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen,

dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen.