ANDACHT zum Sontag Okuli 15.03.2020

Psalm 25,15

LIED: EG 390,1-3

1. Erneure mich, o ewigs Licht,

und lass von deinem Angesicht

mein Herz und Seel mit deinem Schein

durchleuchtet und erfüllet sein.

 

2. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist,

der dir mit Lust Gehorsam leist’

und nichts sonst, als was du willst, will;

ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll.

 

3. Auf dich lass meine Sinne gehn,

lass sie nach dem, was droben, stehn,

bis ich dich schau, o ewigs Licht,

von Angesicht zu Angesicht.

 

·   VOTUM: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

 

·   PSALM:  Psalm 25 (EG 713)

 

Nach dir, Herr, verlanget mich.

Mein Gott, ich hoffe auf dich;

lass mich nicht zuschanden werden.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret.

Herr, zeige mir deine Wege

und lehre mich deine Steige!

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!

Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.

Der Herr ist gut und gerecht,

darum weist er Sündern den Weg.

Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue

für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten.

Um deines Namens willen, Herr,

vergib mir meine Schuld, die so groß ist!

Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten;

und seinen Bund lässt er sie wissen.

Meine Augen sehen stets auf den Herrn;

denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

Wende dich zu mir und sei mir gnädig;

denn ich bin einsam und elend.

Die Angst meines Herzens ist groß;

führe mich aus meinen Nöten!

Sieh an meinen Jammer und mein Elend

und vergib mir alle meine Sünden!

Bewahre meine Seele und errette mich;

lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!

Gebet

In mir ist es finster - aber bei Dir ist das Licht.
Ich bin einsam - aber Du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig - aber bei Dir ist Hilfe.
Ich bin unruhig - aber bei Dir ist Friede.
In mir ist Bitterkeit - aber bei Dir ist Geduld.
Ich verstehe Deine Führung nicht -
aber Du weißt den Weg für mich.

(Dietrich Bonhoeffer)

PREDIGT

Meine Augen sehen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. (Psalm 25,15)

Liebe Gemeindeglieder,

unsere Augen sind Spiegel unserer Seele. Derzeit spiegelt sich zumeist Angst und Entsetzen, Ohnmacht und Ratlosigkeit.

Die geschlossenen Grenzen und die leeren Straßen und Plätze, abgesagte Konzerte und untersagte Versammlungen … Die Corona-Krise hat das ganze öffentliche Leben erfasst. Dies betrifft uns in unterschiedlichsten Zusammenhängen und macht etwas mit uns. „Wenn du lange genug in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ (Friedrich Nietzsche). Es ist ein Kreislauf, in den wir immer tiefer, immer unausweichlicher hineingezogen werden.

 

Worauf sehen unsere Augen? Auf die vielen Meldungen und Berichterstattungen in der Corona-Krise? Sehen wir auf die schnellen und grellen Bilder der tödlichen Anschläge oder auf das Elend der Flüchtlinge an der Grenze nach Europa und in den überfüllten Lagern? Brennen sie sich uns nicht in der Seele ein und am Ende schaut uns der Abgrund daraus an? Was können wir dagegen tun? Sind wir diesen Ereignissen nicht hilflos ausgesetzt?

 

Okuli. Der Sonntag weist mit seinem Namen in eine ganz andere Richtung. „Meine Augen sehen stets auf den Herrn…“ Das Psalmwort zeigt uns ein ganz anders Ziel: Gott, den Herrn.

 

Nein, der dies sagt, lebt nicht in einer heilen Welt. Da spüren wir etwas von der Not und dem Elend des Beters. Er weiß um Jammer und Elend und er weiß um Feinde.

Doch in dieser Situation bleibt er nicht angstvoll und entsetzt am Elend hängen. Auch sieht er nicht auf sich und seine Möglichkeiten. Wie ein großes „aber“, wie ein entschiedener und darin entscheidender Gegensatz klingt dieser Satz: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Mögen die Augen der anderen auf die Gefahr und den Abgrund starren, meine Augen richten sich auf Gott.  

„…stets…“ Augen, die unruhigsten Organe, die wir haben - sie kommen hier zur Ruhe. Sie irren nicht länger angstvoll suchend, sondern bekommen einen Fix- und Haltepunkt. Sie bekommen eine klare und feste Ausrichtung. Nicht nur manchmal, nicht nur hin und wieder, nicht nur ab und zu: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“

 

Und hier zeigt sich das Geheimnis. Es ist eine Ausrichtung, dem der ganze Leib folgt. Eine Ausrichtung, die das ganze Leben prägt, ihm eine Richtung gibt. Denn es ist eine elementare Weisheit: Wohin wir sehen, dahin orientieren wir uns. Es war mein Fahrlehrer, der mich das gelehrt hat: „Wohin du schaust, dahin fährst du!“

Wohin schauen wir und wohin sind wir unterwegs?

 

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Damit übersieht der Beter nicht die Not. Das Elend blendet nicht Angst und Sorge aus. Sondern gerade angesichts der Not und dem Elend wendet er sich vertrauensvoll an diesen Herrn: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“

 

Und da kommen Ruhe und Gelassenheit in mein Leben. – Nicht, dass die Probleme, die notvollen Dinge dieser Welt damit verschwunden wären. Aber sie haben keine eigene Größe mehr, haben keine eigene Mächtigkeit mehr. Diese Bilder prägen und bestimmen mich nicht mehr. – Sie kommen von dem her in den Blick, der größer und mächtiger ist.

 

Doch woher kommt Gewissheit, dass er hilft und rettet, mich aus dem Netz der Angst zieht?

In Jesus Christus sehen wir diesen Herrn. Gerade in dieser Zeit seiner Passion, dem Weg in Leiden und Sterben sehen wir ihn und sollen die Augen nicht von ihm lassen. Da sehen wir auch das Leid, die Not, die Angst, den Tod… Auch hier entsetzte Augen und verzweifelte Blicke. Doch im Sehen auf diesen Herrn und seine Passion sehen wir, dass Gott noch vom Tode errettet, dass er durch Leiden und Sterben zur Auferstehung gelangt. 

 

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ Von daher wächst Gewissheit und Zuversicht und Vertrauen. Mit Paul Gerhardt können wir beten: „Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir’s nicht; / dein Tun ist lauter Segen, / dein Gang ist lauter Licht; / dein Werk kann niemand hindern, / dein Arbeit darf nicht ruhn, / wenn du, was deinen Kindern / ersprießlich ist, willst tun.“ (EG 361,4).

„Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ Und da, wo es uns dieser Blick schwerfällt, weil uns so viel Angst und Not bedrängt, da dürfen wir mit der Jahreslosung bitten und bekennen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ AMEN

FÜRBITTE

Herr, unser Gott,

wir bitten dich in dieser Zeit

der Ungewissheit und Angst

für unser Land und diese ganze Welt.

Krankheit und Epidemie bedrohen unser Leben

Und wir wissen nicht, wie wir ihrer

Ausbreitung begegnen können.

Wir erkennen neu, wie ohnmächtig

und hilflos wir sind.

Vor dich bringen wir unsere

Ratlosigkeit und Hilflosigkeit

Im Blick auf unser Leben, unser Land

und diese weite Welt.

Um deine Hilfe bitten wir

und um dein Erbarmen.

 

Lass uns auf dich sehen,

und im Vertrauen auf dich

mutige und gewisse Schritte tun.

Bei dir allein finden wir Rat und Hilfe,

Trost und Ruhe für unsere Herzen und Seelen.

LIED

Jesu geh voran auf der Lebensbahn (EG 391)

 

1. Jesu, geh voran

auf der Lebensbahn!

Und wir wollen nicht verweilen,

dir getreulich nachzueilen;

führ uns an der Hand

bis ins Vaterland.

 

2. Soll’s uns hart ergehn,

lass uns feste stehn

und auch in den schwersten Tagen

niemals über Lasten klagen;

denn durch Trübsal hier

geht der Weg zu dir.

 

3. Rühret eigner Schmerz

irgend unser Herz,

kümmert uns ein fremdes Leiden,

o so gib Geduld zu beiden;

richte unsern Sinn

auf das Ende hin.

 

4. Ordne unsern Gang,

Jesu, lebenslang.

Führst du uns durch raue Wege,

gib uns auch die nöt’ge Pflege;

tu uns nach dem Lauf

deine Türe auf.

 

(Dekan Dr. Friedrich Langsam)