Andacht zum Palmsonntag, 05. April 2020

Andacht

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN.

 

Psalm 36

(in der Auswahl EG 719)

Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, *

und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehn.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes *

und dein Recht wie die große Tiefe.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott, <> *

dass Menschenkinder Zuflucht haben unter dem Schatten deiner Flügel!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, *

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Amen.

 

Lied

„Du Morgenstern, du Licht vom Licht“ (EG 74,1-4)

1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf
in unerschaffner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt.

Eingangsgebet

Allmächtiger und barmherziger Gott,

manches kommt uns unergründlich, dunkel vor.
Du bist Licht vom Licht.

Die Hoffnung droht zu versiegen, seelische Dürre droht.
Du bist der Lebensquell.

Was stimmt? Was ist wahr? In der Tiefe wahr?
Du bist ewige Wahrheit.

Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht.

Leuchte auf in unseren Herzen und Seelen. Amen.

Amen.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Enge. Knappheit. Ein im ganz wörtlichen Sinne eingeschränkter Radius, eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Mangel: an Toilettenpapier im Vordergrund, an Gemeinschaft und Kontakt im Tiefen.

Wie schön, dass - wie als Gegenlicht, wie als Gegengift - im Evangelium auf den Palmsonntag von Fülle die Rede ist, von Überfluss.

Bevor es in die Karwoche geht - mit der Einsamkeit Jesu, mit seiner Todesangst – am Palmsonntag noch einmal Fülle der Liebe, verschwenderische Zuneigung.

In Bethanien sitzt Jesus zu Tisch (Evangelium nach Markus, Kapitel 14). Überraschend kommt eine Frau, die Jesus mit kostbarem Nardenöl überschüttet. Voller Liebe, sich verschwendend, wird Jesus zum König der Liebe gesalbt – als der er sich am Kreuz erweist, als der er von Gott bestätigt wird am Ostermorgen.

Für mich hat es etwas ganz Tröstliches, dass Jesus vor dem Gang in Leid und Tod so mit Liebe überschüttet wird.

Klar, dass ungebremste Liebe Widerspruch hervorruft! Die Vernünftigen, die wohl Überlegten, die Recht habenden sagen: „was hätte man alles Gutes tun können mit dem Geld, wenn man das kostbare Nardenöl verkauft hätte…“ Vernunft macht halt manchmal eng, im schlimmsten Fall kleingeistig…

Wobei wir im Moment ja alle erleben, dass vernünftiges Handeln sinnvoll, ja lebensrettend ist.

Trotzdem ist festzuhalten: Gottes Wille ist Weite, nicht Enge; ist Fülle, nicht Mangel. Gottes Wille ist Liebe, Mensch geworden in Jesus.

Jesus sagt im Evangelium, die Frau habe seinen Leib im Voraus gesalbt für sein Begräbnis. Ich meine, sie hat ihn (auch) zum König der Liebe gesalbt.

Auch in Zeiten wie diesen, wo manches fraglich und brüchig wird, gilt: Gott ist die Liebe, Gott ist das Leben. In SEINEM Licht sehen wir das Licht. Amen.

 

Lied

„Ich will dich lieben, meine Stärke“ (EG 400,1-2+5-6)

1. Ich will dich lieben, meine Stärke, ich will dich lieben, meine Zier; ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begier. Ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht.

2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund; ich will dich lieben und erheben, solange mich dein Glanz bescheint; ich will dich lieben, Gottes Lamm, als meinen Bräutigam.

5. Ich danke dir, du wahre Sonne, dass mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, dass du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du güldner Mund, dass du mich machst gesund.

6. Erhalte mich auf deinen Stegen und lass mich nicht mehr irre gehn; lass meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stillestehn; erleucht mir Leib und Seele ganz, du starker Himmelsglanz!

 

Fürbittgebet

Allmächtiger und barmherziger Gott,

Du bist unserer Seelen Stärke und Licht. Du bist die Liebe. Aus der Fülle Deiner Gnade leben wir. Danke.

Vor Dir denken wir an alle, die unter Enge und Mangel leiden.

Vor Dir denken wir an die Ängstlichen und Verzagten.

Den Kranken sei nahe. Und denen, die sich um sie kümmern.

Besonders bete ich für:…N.N……….N.N………N.N.

Lass leuchten Dein Angesicht über ihnen und mir. Amen.

 

Vater unser….

Der HERR segne dich und behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.


Martin Henzler-Hermann, Pfarrer an der Evang. Stadtkirche Ravensburg